Gesundheit : Warum gibt es koscheres Essen?

JOSEFINE JANERT

Studentenverband ohne hochschulpolitische Ambition: Der BJSD will jüdisches Bewußtsein vermitteln / Seminare und FesteVON JOSEFINE JANERTWie legt man einen Gebetsmantel an? Warum essen Juden koscher? Und warum wird nach dem Essen ein Gebet gesprochen? Die Begriffe sind zwar bekannt, aber viele jüdische Studenten wissen nicht, was sich dahinter verbirgt.Kein Wunder, daß das Seminar des Bundesverbandes der Jüdischen Studenten (BJSD) über jüdische Religion mit rund 150 Teilnehmern besser besucht war als jedes andere der Vereinigung in letzer Zeit. "In Deutschland weiß man mehr über jüdische Geschichte und Philosophie als über alltägliche jüdische Riten.Das hängt mit dem Holocaust zusammen", sagt Ariel Abaew.Er studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität und leitet gemeinsam mit Rüdiger Mahlo, Jurastudent an der Freien Universität, den BJSD.Der wurde 1968 gegründet und hat bundesweit rund 1500 Mitglieder - davon 300 in Berlin. Die Organisation ist in keinem AStA, keinem Studentenparlament vertreten.Hochschulpolitik steht im Hintergrund.Vielmehr hat sich der BJSD das Ziel gesetzt, jüdisches Bewußtsein zu leben und zu vermitteln - durch Seminare, Feste oder Begegnungen.Rüdiger Mahlo erzählt von einer Reise nach Jerusalem, bei der die Teilnehmer gemeinsam zur Klagemauer gingen und den Sabbat feierten."Die Kenntnis über das Judentum ist bei vielen sehr oberflächlich", hat er beobachtet. In anderen Ländern werden jüdische Bräuche normalerweise im Elternhaus weitergegeben.In Deutschland ist diese Kette durch den Holocaust allerdings unterbrochen worden.Doch auch in der ehemaligen Sowjetunion, woher ein großer Teil der BJSD-Mitglieder stammt, wurden jüdische Familien an der Ausübung ihrer Religion gehindert.Im BJSD lernen die Einwanderer nicht nur jüdische Traditionen kennen, sie werden auch in das hiesige Leben integriert, bekommen Kontakte zu anderen Studenten, knüpfen Freundschaften.Die deutsche Sprache, die Wohnungssuche und der Umgang mit dem Kulturschock sind die größten Probleme für die Neuankömmlinge, erzählt Ariel Abaew.Er selbst kam als Kind aus der Sowjetunion nach Deutschland. Mitglied des BJSD können nur Studenten werden, die sich zum jüdischen Glauben bekennen.Aber zu den Seminaren und Festen ist jedermann willkommen, sagt Ariel Abaew.Der bisher vielleicht größte Erfolg des BJSD in Berlin war die Organisation des jüdischen Straßenfestes in der Oranienburger Straße.Konzert und Straßenverkauf lockten im Juni immerhin mehrere tausend Besucher an.Denen wollte man zeigen, daß jüdische Identität nicht nur mit Tod und Trauer um die Opfer des Holocausts, sondern mit Lebensfreude und Ausgelassenheit verbunden ist."Das soll kein Plädoyer für das Vergessen sein", sagt Rüdiger Mahlo."Im Gegenteil!" Informationen: Bundesverband der Jüdischen Studenten (BJSD), Joachimstaler Straße 13, 10719 Berlin, Telefon 88 55 13 03, Fax 88 55 13 05

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