Gesundheit : Warum glänzen Christbaumkugeln?

Thomas de Padova

Kunstschnee und bereifte Tannenzweige, dazu weiße Sterne und weiße Kerzen, um im Polarlook zu bleiben und das Wetter zu kaschieren, das keine weihnachtliche Stimmung aufkommen lässt. Die kehrt vielerorts ohnehin erst ein, wenn Christbaumkugeln aufgehängt werden. In ihnen spiegelt sich das ganze Weihnachtszimmer. Wir betrachten sie mit glänzenden Augen. Wie Schmuckstücke.

Klassische Christbaumkugeln werden aus Glas gefertigt. Das ist transparent. Allerdings geht nicht alles Licht hindurch. Wenn Licht auf irgendein Material trifft, dringt ein Teil davon in das neue Medium ein, ein Teil wird an der Oberfläche reflektiert. Auch eine Fensterscheibe ist nicht ganz durchsichtig. Schaut man senkrecht darauf, wirft die Scheibe ein paar Prozent des Lichts zurück. Jeder kennt den Effekt: Wenn es draußen dunkel ist, reicht dieses wenige Licht aus, um das eigene Spiegelbild im Fenster zu sehen.

Bei Christbaumkugeln wird das Glas mit einem stark reflektierenden Material präpariert: mit Silber. Das Silber liegt als dünner Film auf der Innenseite der Kugel. Ist die Silberschicht glatt genug, wirft sie das ankommende Licht nicht ungeordnet in alle Richtungen zurück, sondern so regelmäßig, dass sich ein getreues Abbild ergibt. Die Kugel spiegelt. Und da sie nach außen gewölbt ist, sieht man auf ihr ein verkleinertes Bild des ganzen Raumes.

„Bei der Herstellung kommen Silbersalze in die Glaskugel“, sagt Tobias Müller, Chemiker bei der Firma Creavac in Dresden. „Dann gibt man durch die Öffnung eine Zuckerlösung hinzu und schwenkt die Kugel.“ Der Zucker setzt eine chemische Reaktion in Gang. Er gibt gerne Elektronen ab, die die Silberionen an sich binden. Auf diese Weise wird metallisches Silber aus dem Salz abgeschieden. Es überzieht rundum die Glasfläche. Den Rest der Flüssigkeit schüttet man weg und lackiert die Christbaumkugel von außen.

Müller und seine Kollegen haben ein neues Herstellungsverfahren entwickelt. Dabei wird die Glaskugel kurzzeitig zur Glühbirne: Aus einem heißen Glühdraht verdampft Silber und schlägt sich als hauchdünner Belag auf der Innenseite der Kugel nieder. Auf dieselbe Weise lässt sich auch die gewünschte Farbe von innen aufbringen. Alles in einer Vakuumkammer. „So spart man Silber, und es bleiben keine Abfälle zurück.“

Eine Auswahl von 101 „Aha“-Kolumnen von Thomas de Padova ist im Piper Verlag unter dem Titel „Die Kinderzimmer-Akademie“ (176 Seiten, 14 Euro 90) erschienen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar