Gesundheit : Warum haben wir einen Kater?

Thomas de Padova

Wenn am Morgen das Blut in die Füße zu versinken scheint und die Temperatur im Gehirn steigt, wenn die Bewegungen der Augenlider rascher werden und sich der Körper zurückmeldet: „Ich bin wieder da!“, dann gilt es, das Los unserer Gattung zu tragen und den Kopf wieder an die höchste Stelle zu bringen. Allein: Wo ist oben? Dieser Schwindel! Und dieser Brummschädel! Er ist heute so schwer, dass beim Aufstehen nicht nur der sonst übliche halbe Liter Blut in die Beine sacken würde, nun gesellt sich auch noch der Alkohol dazu. Wo kommt denn bloß dieser Kater her?

Das neue Jahr hat für manch einen mit einer Frage begonnen, auf die Plinius der Ältere vor 2000 Jahren völlig erschöpfend geantwortet hätte: Im Wein liegt die Wahrheit. Heute liegt sie unter anderem im Acetaldehyd. „Das ist die Hauptursache für die Katerphänomene“, sagt Wilhelm Flitsch, Emeritus des Organisch- Chemischen Instituts der Universität Münster. Denn dieses Gift stört die Funktion vieler Eiweißstoffe in unserem Körper und ruft dadurch Übelkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen hervor.

Alkohol wird vor allem in der Leber abgebaut. Dabei entsteht als Zwischenprodukt der eigentliche Übeltäter Acetaldehyd. Bei Japanern hält sich der Giftstoff besonders hartnäckig im Körper. Vielen Japanern fehlt nämlich ein wirksames Gegenmittel, die Aldehyd-Dehydrogenase, die Acetaldehyd unschädlich zu machen und in Essigsäure zu verwandeln vermag. Japaner haben daher schon nach geringem Alkoholkonsum unter einem äußerst heftigen Kater zu leiden.

Flitsch empfiehlt, nach einem Kater süß zu frühstücken. „Marmelade ist besser als Rollmops“, sagt er. Denn Alkohol senkt den Blutzuckerspiegel, der üblicherweise von der Leber konstant gehalten wird. Dem Körper fehlen Energiereserven, man fühlt sich gereizt und schwach. Ein bisschen Marmelade helfe einem schneller wieder auf die Beine.

Auch der Flüssigkeitsbedarf steigt unter Alkoholeinfluss. Alkohol hemmt die Bildung des Hormons Vasopressin, das unseren Wasserhaushalt reguliert. Die Folge: Man scheidet mehr Urin aus, der Elektrolythaushalt gerät durcheinander, was den Katzenjammer noch verschlimmert. Flitsch rät, zwischen Wein oder Bier des Öfteren ein Gläschen Wasser zu trinken. Noch besser ist es allerdings, den Kater erst gar nicht zu provozieren.

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