Gesundheit : Warum haben wir farbige Augen?

Thomas de Padova

„Ein graues Auge, ein schlaues Auge.“ Auf schelmische Launen deuten meine braunen. Nach meiner Geburt seien sie grau-blau-braun gewesen, erinnert sich meine Mutter.

Braune Augen, dunkler Teint, schwarzes Haar – die Pigmentzellen, die Melanocyten, haben binnen kurzer Zeit alle Zweifel an meinem Typ ausgeräumt. Wo immer sie in meinem Körper aktiv werden können, produzieren sie einen dunklen Farbstoff: das Melanin. Mein Haar strotzt vor melaninhaltigen Pigmenten, meine Haut wird beim Sonnenbaden schnell braun und schützt sich so vor ultraviolettem Licht.

Auch meine Iris, die als Ring um die Pupille liegt, hat früh dicht gemacht. Wie die Blende einer Kamera reguliert sie den Lichteinfall. Sie schirmt das wichtigste Sehfeld der Netzhaut, die Makula, vor ständiger Überbelichtung. Die Lichtstrahlen können nur durch die Pupille eindringen, die sich je nach Lichtsituation öffnet und weitet.

„Je dunkler die Regenbogenhaut, umso besser der Schutz“, sagt Albert J. Augustin, Direktor der Augenklinik des Städtischen Klinikums Karlsruhe. Je heller dagegen die Iris, umso sorgsamer müsse man mit Licht umgehen. Wer zwischen dem zehnten und 20. Lebensjahr mehr als zehn Sonnenbrände erlitten hat, zeigt medizinischen Studien zufolge im Alter eher die Vorstufen einer degenerativen Netzhauterkrankung. „Schwarzafrikaner hingegen haben so viele Pigmente, dass sie keine Makula-Degeneration befürchten müssen.“

Im Lauf der Kindheit nimmt die Pigmentierung der Regenbogenhaut zu. Daher kann sich die Augenfarbe ähnlich wie die Haarfarbe verändern. Je nachdem, wie viel Melanin die Zellen in den unterschiedlichen Segmenten der Iris produzieren und wie eng- oder weitmaschig das Gewebe ist, ergibt sich ein Blau-, Grün- oder Braunton.

Viele Babys in unseren Breiten haben zunächst helle Augen. Der Blauton der Iris kommt ähnlich zustande wie das Blau des Himmels. Sonnenlicht ist zwar für unsere Augen weiß, aber es setzt sich aus allen Farben des Regenbogenspektrums zusammen. Sein blauer Farbanteil wird an Luftmolekülen, aber auch in dem trüben Gewebe der Iris am stärksten gestreut. Die wenig pigmentierte Iris wirkt daher blau. Aus demselben Grund erscheinen unsere Adern blau, obwohl das Blut rot ist.

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