Gesundheit : Warum haben wir Mitesser?

Thomas de Padova

Neuerdings reinige ich mein Gesicht mit einem Soft Touch Vlies. Seit ich das kleine Pflaster auf dem Kosmetiktisch meiner Frau entdeckt habe, gibt’s hin und wieder eins auf die Nase. Oder auf die Stirn. Ich drücke den selbstklebenden Strip auf die angefeuchtete Haut und warte. Fünf Minuten, zehn Minuten, manchmal auch länger. Experimentierfreudig und in atemloser Spannung ziehe ich das Pflaster schließlich vorsichtig ab und suche im Licht der Badezimmerlampe in einem Beet herausgezupfter kleiner Härchen, die auf dem Klebefilm haften, akribisch nach weißen oder schwarzen Punkten. Auf die nämlich habe ich es abgesehen: die Mitesser.

Ich lebe zwar nicht in dem noch vor 200 Jahren verbreiteten Glauben, dass es sich dabei um kleine Würmer handelt. Aber Mitesser stören mein Schönheitsempfinden. Zumal sie sich ausdrücklich an besonders augenfälligen Körperpartien einnisten.

„Im Gesicht sind unsere Talgdrüsen voluminöser als anderswo“, sagt Christos Zouboulis, stellvertretender Leiter der Hautklinik der Berliner Charité. „Sie produzieren hier mehr Fett.“ Dieses Fett macht Haut und Haar geschmeidig. Es enthält zudem Vitamin A und Vitamin E und ist damit eine ergiebige Nahrungsgrundlage für die Hautzellen. Vermehren sich diese Zellen bei übermäßigem Fettangebot zu schnell, können sie den ansonsten freien Weg zur Hautoberfläche einengen. Das Fett gelangt nun nicht mehr so leicht nach außen. Es entsteht ein Mitesser.

Der Talg kann manchmal ein bisschen schmutzig sein, in der Regel aber ist er weiß. Trotzdem sieht der Mitesser mitunter schwarz aus. Dann ist der Ausgangskanal bereits wieder offen, der Mitesser auf dem Weg der natürlichen Abheilung. Er erscheint nur deshalb dunkel, weil kein Licht bis zu seinem Grund vordringt.

Vor allem Jungen leiden unter Mitessern, wenn in der Pubertät Hormone die Talgproduktion ankurbeln und überall neue Haare und der Bartflaum sprießen. Wenn es der Talg des geschlossenen Mitessers nicht nach oben schafft, bahnt er sich einen seitlichen Weg in die Lederhaut und ruft darin Entzündungen hervor. So kommt es zu Pickeln und Akne. Und gegen die hilft kein Nasenpflaster und auch kein mit frischer Fruchtsäure getränkter Reinigungsstrip, sondern nur eingehende Hauttherapie.

Und das Warten: Wochen, Monate, Jahre – bis die vielen Pickel mit Erreichen der vollen Geschlechtsreife hoffentlich für immer verschwinden.

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