Gesundheit : Warum hält Sekundenkleber?

Thomas de Padova

Die Larve der Gemeinen Florfliege ist sehr gefräßig. Mit ihren kräftigen Saugzangen verspeist sie am Tag bis zu 50 Blattläuse. Sie schreckt auch nicht davor zurück, ihre noch nicht geschlüpften Geschwister zu vertilgen. Daher legen Florfliegen-Weibchen ihre Eier bevorzugt einzeln ab: Sie tupfen mit dem Hinterleib einen Klebstofftropfen auf ein Blatt, ziehen ihn zu einem Faden in die Höhe und legen ein Ei darauf. In Sekundenschnelle härtet der Faden aus, und die Eier hängen schließlich zu Hunderten an feinen Stielen.

Die Florfliege trägt ihren Sekundenkleber stets mit sich herum. Die kleinen Tröpfchen haben gewisse Ähnlichkeit mit dem, was unsereins aus einer profanen Tube quetscht: Auch sie werden erst an der Luft hart, wobei lange Eiweißmoleküle in dem Tröpfchen wie ein Knäuel Spaghetti zusammenpappen.

Der käufliche Sekundenkleber ist allerdings etwas anders zusammengesetzt. Seine Flüssigkeit besteht aus Cyanoacrylat-Molekülen. Das sind Moleküle, die Ketten bilden, sobald sie mit Feuchtigkeit in Berührung kommen. Ein bisschen Wasser reicht aus, um ursprüngliche Molekülbindungen zu knacken und neue Verflechtungen einzuleiten. Und weil Feuchtigkeit nahezu allgegenwärtig ist – leider auch auf den Fingern –, wird der flüssige Klebstoff schnell hart.

Presst man zwei Teile fest aneinander, klebt er auch sofort an den Kontaktflächen. Denn die langen Molekülketten des Sekundenklebers mit ihren wechselnden elektrischen Ladungen finden auf fast allen Oberflächen anziehende Partner: Winzige Abschnitte positiver Ladung haften an negativ geladenen Arealen der Kontaktfläche und umgekehrt. Gegensätze ziehen sich eben an – wie die Blattlaus die Florfliegenlarve. Nur dass es in letzterem Fall für die Blattlaus immer negativ ausgeht.

AHA!

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