Gesundheit : Warum hängen Fledermäuse von der Decke?

Thomas de Padova

Für die Fledermaus ist die Jagdsaison im Herbst vorbei. Nun heißt es: einfach mal wieder abhängen. Mausohr und Fransenfledermaus suchen eine Felshöhle auf, Abendsegler und Rauhhautfledermaus verstecken sich in einer Baumhöhle. Fünf oder sechs Monate harren sie dort aus, kopfüber im Winterschlaf.

Mit den scharfen Krallen ihrer Hinterfüße halten sie sich nicht krampfhaft fest wie unsereins, wenn wir an einer Reckstange oder Kletterwand hangeln. Müsste die Fledermaus im Winterschlaf ständig ihre Muskeln anspannen, wäre ihr Energieverbrauch enorm. So viel Fett könnte sie sich gar nicht anfressen. Braucht sie aber auch nicht. Sie ist völlig entspannt.

„Dank spezieller Sehnen bleiben ihre Krallen auch ohne Muskelkraft gekrümmt“, sagt Frieder Mayer, Zoologe an der Universität Erlangen. So als wären sie eingerastet. Die Fledermaus muss lediglich Kraft aufwenden, um den Haltegriff wieder zu lösen, weshalb auch tote Tiere manchmal noch eine Zeit lang an der Decke hängen.

Die Hinterbeine sind in die Flughaut integriert, denn die Hauptfortbewegungsart der Fledermaus ist das Fliegen. Ihre vorderen Extremitäten spannen die Flughaut auf: von den Spitzen der extrem langen Finger bis zu den Schultern. „Anders als Flughörnchen oder Riesengleiter, mit denen sie nicht unmittelbar verwandt sind, haben die Fledermäuse im Laufe der Evolution gelernt, aktiv zu fliegen“, sagt Mayer. Als Säugetiere haben sie diese Fähigkeit vor 60 bis 65 Millionen Jahren erworben und sich auf die nächtliche Insektenjagd spezialisiert. Manche Tiere fangen in einer einzigen Sommernacht mehrere 1000 Mücken.

Tagsüber verziehen sie sich in Felsspalten, Höhlen oder Festungen wie die Zitadelle Spandau. An der Decke hängend, leben sie vergleichsweise sicher. So sind sie besser vor Räubern geschützt als auf dem Boden hockende Tiere. Und bei Gefahr müssen sie nicht gegen die Schwerkraft aufsteigen, sondern können sich fallen lassen und sofort losfliegen.

Als Zweibeiner schauen wir verwundert auf die scheinbar verkehrte Welt der Fledermaus. Die Vorzüge einer baumelnden Existenz sind für uns nicht ohne Weiteres erkennbar. Doch selbst in Punkto Hygiene bietet das Deckenleben einige Vorteile: Weil der Kot nach unten fällt, bleibt der Schlafplatz immer sauber.

Eine Auswahl von 101 „Aha“-Kolumnen von Thomas de Padova ist soeben im Piper-Verlag unter dem Titel „Die Kinderzimmer-Akademie“ (176 Seiten, 14 Euro 90) erschienen.

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