Gesundheit : Warum ist der Blitz zackig?

Thomas de Padova

Mit einem Schlag ist er da. So plötzlich, dass wir nicht wahrnehmen, wie er von Ecke zu Ecke springt, wie er Stück für Stück wächst und sich verzweigt. Alles geht blitzschnell. Wir sehen nur, wie eine gewaltige Entladung die Wolken durchschneidet und durchzuckt.

Die dunklen Gewitterwolken bilden sich an einem schwülen Sommertag, wenn feuchte, erhitzte Luft hoch und höher aufsteigt. Die Feuchtigkeit wird von Ruß- oder Schwefelteilchen aufgesogen. Als wässrige Partikelchen gelangen sie in immer kältere Zonen.

Bei starkem Aufwind können sie die Frostgrenze so fix überschreiten, dass sie nicht sofort gefrieren. Stattdessen bekommen die unterkühlten Graupelteilchen eisige Spitzen. Wie die Stacheln eines Igels ordnen sich Eiskristalle um den nassen Kern herum an: Ihr äußeres Ende ist positiv geladen, das innere negativ.

Stoßen solche Graupelteilchen mit Eispartikeln in der Wolke zusammen, werden die feinen Spitzen weggerissen – und die positiven Ladungen von den negativen getrennt. Während nun leichte, positiv geladene Teilchen weiter aufsteigen, sinken die schwereren, negativ geladenen Graupelteilchen mit der Zeit wieder nach unten. Innerhalb der Wolke sowie zwischen Wolke und Erde baut sich eine Spannung auf. Die Ladungen möchten sich wieder ausgleichen. Wird die Spannung wegen der vielfältigen Ladungstrennungen zu groß, kommt es zum elektrischen Durchschlag.

„Ein Leitblitz bahnt sich nun seinen Weg in Sprüngen von jeweils 50 bis 200 Metern“, sagt der Elektrotechniker Gerhard Diendorfer, Chef des Blitzinformationssystems Aldis in Wien. „Nach jedem Sprung bleibt er kurz stehen, von hinten wird Ladung nachgeliefert, und es geht weiter.“ Durchschlag für Durchschlag.

Und im Zickzack. Denn die Luft in den Gewitterwolken ist nicht homogen. Mancherorts haben sich lokale Raumladungen gebildet, die den fortschreitenden Blitzkanal ablenken. Auch Unterschiede in der Feuchtigkeit oder Grenzschichten zwischen warmer und kalter Luft beeinflussen die Route. Mal führt sie in eine Sackgasse, mal verzweigt sie sich auf dem Weg nach unten.

Der Blitz sucht den Weg des geringsten Widerstandes. Und der ist meist bizarr. Zumal dem Blitzkanal, sobald er dem Erdboden nahe genug gekommen ist, auch von unten Arme entgegenwachsen: von einer Kirchturmspitze aus oder einem großen Baum. Ob Buchen oder Weiden – beim Gewitter sollte man deshalb alle Bäume meiden. Besser ist es, sich möglichst geduckt in eine Mulde zu kauern, wenn man unglücklicherweise draußen ist.

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