Gesundheit : Warum ist es so schwer, einen Ball zu fangen?

Thomas de Padova

Ballspiele im Weltraum sind besonders amüsant. Denn in der Schwerelosigkeit fliegen Bälle anders: Sie folgen nicht der Erdbeschleunigung, sondern bewegen sich mit gleichbleibender Geschwindigkeit. Darauf kann sich unser Gehirn nicht so schnell einstellen. Als sich Astronauten im April 1998 an Bord des Space Shuttles beim Ballspiel vergnügten, griffen sie regelmäßig zu früh nach dem Leder.

Ein Kind braucht Jahre, ehe es lernt, einen Ball zu fangen, Jahre, die mit zahllosen Versuchen und Irrtümern einhergehen. Es genügt nicht, den Ball mit den Augen zu verfolgen und die Arme dann auf das Ziel zu bewegen. Unser Gehirn muss die Flugbahn vorausberechnen. Ob Kind, Astronaut oder Fußballtorwart – wir können einen rasant heranfliegenden Ball nicht erreichen, wenn wir nicht rechtzeitig im Voraus wissen, wo er landen wird.

Dazu bedarf es viel Übung. Peter McLeod vom Institut für experimentelle Psychologie der Universität Oxford hat herausgefunden, wie zum Beispiel ein Baseballspieler die Flugbahn voraussieht. Der Spieler schätzt dazu zwei Größen ein: den Winkel, unter dem der abgeschlagene Ball nach oben aufsteigt, und den horizontalen Winkel, unter dem der Ball nach rechts oder links vom Spieler weg fliegt. Der Baseballspieler registriert diese Winkel an verschiedenen Punkten der Flugbahn. Er weiß, wie sich die Winkel ändern müssen, damit er sein Ziel erreicht; er kennt diese Gesetzmäßigkeit aus vorherigen Spielen. Und er läuft nicht geradewegs auf das Ziel hin, sondern verlangsamt, korrigiert und beschleunigt seinen Lauf mehrfach, um den Ball am Ende sauber aufzufangen.

Formeln, wie sie Wissenschaftler und Ingenieure zur Berechnung von Flugkurven verwenden, benutzt ein Ballspieler nicht. Aber auch er schult das Gehirn, ein möglichst einfaches Modell unserer physikalischen Umwelt zu entwerfen. Für die Entwicklung der motorischen und sensorischen Fähigkeiten sind Ballspiele daher sehr hilfreich. Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass sie in allen Kulturen so beliebt sind.

AHA!

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