Gesundheit : Warum ist es so schwer, mit den Ohren zu wackeln?

Thomas de Padova

Es gibt gut gemeinte Ratschläge, nach denen man sich erst recht ohnmächtig fühlt. „Halt die Ohren steif!“ ist so ein Spruch. Wie soll das gehen? Ein Ansporn soll auch die Aufforderung sein, „die Ohren zu spitzen“, worauf wir neidvoll auf die langen Stehohren des Schäferhundes blicken. Den Ohrmuschelrand aufzudrehen, ist für uns ein Ding der Unmöglichkeit.

Dabei gibt es nur wenige Unterschiede zwischen dem Ohr des Menschen und dem anderer Säugetiere. Wir alle haben trichterförmige Ohrmuscheln aus Knorpel. Beim Menschen ist dieser sehr elastisch. Biegt man ihn, kehrt er in die ursprüngliche Form zurück, weshalb es völlig unsinnig wäre, abstehende Ohren mit einem Verband zu behandeln.

Die meisten Säugetiere können ihre Ohrmuscheln über Muskeln bewegen. Der Elefant fächert sich mit seinen großen Ohren an heißen Tagen Luft zu, ein Pferd kann die Ohren jederzeit um 180 Grad drehen, einige Huftiere halten ihre beiden Ohren gleichzeitig in entgegengesetzte Richtungen, um einen Feind aufzuspüren.

Tiere bringen mit der Stellung ihrer Ohren auch Ergebenheit oder Abwehrbereitschaft zum Ausdruck. Legt der Hund seine Ohren an, signalisiert er Furcht, stehen sie nach vorne, fühlt er sich in Sicherheit, bewegt er sie hin und her, möchte er spielen.

Hundeohren sind von Rasse zu Rasse unterschiedlich: vom Kippohr (Foxterrier) über das Fledermausohr (Französische Bulldogge) bis zum kurzen Stehohr (Spitz). Manche Hunde haben auch Hängeohren. „Solche Hängeohren sind ein Zuchtmerkmal und für die Kommunikation ein Nachteil“, sagt Dorit Urd Feddersen-Petersen, Fachärztin für Verhaltenskunde und Tierschutz an der Universität Kiel. „Sie können nicht mehr aufgestellt werden.“

Als Haustier gebraucht der Hund seine Ohren längst nicht mehr so wie ein Wolf, er muss nicht mehr so aufmerksam lauschen. Seine Muskeln sind zum Teil erschlafft. Sie sind dabei, ähnlich zu verkümmern wie beim Menschen.

Das Talent zum Ohrenwackeln ist unter uns Menschen nicht mehr sehr weit verbreitet. Die meisten von uns sind außerstande, ihre Ohren auch nur irgendwie zu bewegen, obwohl wir alle noch rudimentäre Muskeln dafür besitzen. Wir brauchen sie nicht mehr. Statt die Ohren zu spitzen, wenden wir den Kopf oder halten die hohle Hand hinters Ohr. Eigentlich schade – denn es wäre sicher nett, wenn wir mit einem dezenten Aufstellen unserer Lauscher Interesse signalisieren könnten. Oder den Wunsch zu spielen.

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