Gesundheit : Warum ist Schnee weiß?

Thomas de Padova

Schnee ist nichts anderes als gefrorenes Wasser. Und doch ist er nicht durchsichtig und glasklar wie ein Eiswürfel oder ein Eiszapfen, sondern strahlend weiß. In kürzester Zeit verwandelt ein starker Schneefall Straßen und Äcker in eine zauberhafte weiße Landschaft. Im Gebirge in der Mittagssonne kann der Neuschnee so gleißend sein, dass man ohne Sonnenbrille geradezu „schneeblind“ wird.

Schnee ist nicht bloß gefrorenes Wasser. Er hat eine sichtbare Geschichte. Die Schneekristalle nehmen das Wasser erst nach und nach auf. Auf ihrem Weg von der Wolke zur Erde durchqueren sie Zonen verschiedener Feuchtigkeit und Temperatur, verschmelzen mit anderen Kristallen zu Flocken und erhalten so ihre individuelle Gestalt. Sie wachsen zu einem luftigen Gebilde aus unzähligen kleinen Kristallen heran, zu einem filigranen Kunstwerk aus Prismen und Nadeln, Sternen und Säulen.

Jede Schneeflocke ist ein Unikat. Und in jeder Schneeflocke reflektieren Millionen winzige Kristalloberflächen das Sonnenlicht in unterschiedliche Richtungen. „Weil es so viele Reflektionen gibt, ist der Schnee nicht transparent“, sagt Martin Schneebeli vom Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos. Schnee ist vielmehr weiß, denn er wirft das ganze Spektrum des einfallenden Lichts gleichermaßen zurück und verschluckt nicht bevorzugt bestimmte Lichtstrahlen – wie etwa ein grünes Blatt, das rotes Licht sehr gern aufnimmt, grünes dagegen von sich weist.

Erst die vielen Spiegelflächen lassen den Schnee weiß werden. Frischer Pulverschnee ist greller als der bereits etwas zusammengepappte Schnee von gestern. Und je mehr die Schneedecke schließlich vereist, etwa weil sie tagsüber antaut und nachts wieder friert, desto glatter und lichtdurchlässiger wird sie.

Ein einzelner kleiner Schneekristall hat übrigens auch nicht genügend Spiegelflächen, um weiß zu erscheinen. Legt man ihn unter ein Mikroskop, sieht man ihn kaum: Auch er ist durchsichtig.

AHA!

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