Gesundheit : Warum kann ein Skifahrer eine Lawine auslösen?

Thomas de Padova

Unberührte Winterlandschaft. Einmal nicht in den Spuren anderer fahren. Viele Skifahrer und Snowboarder zieht es hinaus auf die Piste in den Tiefschnee. Und sie sind sich der Gefahr kaum bewusst, die von der jungen, frischen Schneedecke ausgeht: Die meisten Lawinen entstehen an diesem ersten Schönwettertag nach einem kräftigen Schneefall.

Der Neuschnee ist nämlich gar nicht mehr so jungfräulich. Innerhalb der zurückliegenden Stunden hat er sich still und leise verwandelt. Zunächst durch den Wind: Er zerlegt die frischen Schneekristalle, die winzigen Schneesterne, Nadeln und Plättchen, in kleinere Fragmente. Diese Bruchstücke wachsen nun zu einer festeren Schneeschicht zusammen: einem Schneebrett.

Ein solches Schneebrett sei die typische Skifahrerlawine, sagt Thomas Wiesinger, Lawinenprognostiker am Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos. „Es kann auf einmal in Bewegung geraten.“ Die Lawinengefahr sei dann besonders hoch, wenn das Schneebrett nicht gut mit dem darunter liegenden Untergrund verbunden ist.

So fällt der Neuschnee mitunter auf einen Hang, der bereits mit mehreren Reifschichten bedeckt ist. Dieser Überzug macht den Berg zur Rutschbahn.

Das Schneebrett kann auch aus anderen Gründen ins Gleiten kommen. Wenn es zum Beispiel sehr kalt ist, sind auch die Temperaturunterschiede innerhalb der Schneedecke groß. An der Oberfläche ist der Schnee dann erheblich kälter als in Bodennähe. Dort unten verdampfen Wassermoleküle, wandern nach oben und frieren an den Kristallen einer kälteren Lage fest. In dieser Schneeschicht entstehen daher große, fragile Kristalle – und dieses Schichtgefüge kann unter hoher Belastung zerbrechen. Geschieht das, fängt der ganze darüber liegende Schnee an zu schwimmen.

Ein einzelner Skifahrer wiegt zwar nicht viel. Aber seine Masse drückt auf zwei dünne Bretter, unter denen das Schneebrett auf großer Breite abreißen kann. Es donnert als Lawine zu Tal. Derartige Lawinen sind in der Regel 50 Meter breit und 100 Meter lang, manchmal aber auch kilometerlang. Für den Skifahrer, der sie ausgelöst hat, gibt es meist kein Entkommen mehr. Er verliert den Boden unter den Brettern.

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