Gesundheit : Warum kann man mit feuchten Fingern besser umblättern?

Thomas de Padova

Erstaunlich, so eine Fliege! Setzt sich kopfüber an die Decke und die Fallgesetze außer Kraft. Wie macht sie das nur?

An ihren Füßen hat sie kleine Hafthärchen. Sie nehmen sofort die bestmögliche Tuchfühlung mit der Oberfläche auf. Aus den Spitzen dieser Härchen tritt eine Flüssigkeit aus. Damit gleicht die Fliege sämtliche Unebenheiten zwischen der Decke und ihren Füßen aus. Anstatt die unebene Decke nur an wenigen Punkten zu berühren, nutzt das Insekt die gesamte Auflagefläche, um sich dort oben festzuhalten.

Wenn wir einen Finger befeuchten, um in einem Buch zu blättern, verschaffen auch wir uns eine optimale Kontaktfläche. Das ist wichtig, weil die Kräfte zwischen verschiedenartigen Molekülen in der Regel nur eine kurze Reichweite haben. Die Feuchtigkeit dringt in alle Ritzen ein und benetzt Oberflächen wie unsere Finger und Papier sehr gut.

Wasser hat einen starken inneren Zusammenhalt. „Die Wassermoleküle, bestehend aus Wasserstoff- und Sauerstoffatomen, ziehen sich wechselseitig an“, sagt Andreas Groß, Leiter des Klebtechnischen Zentrums am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung in Bremen. „Denn an den Wasserstoffatomen sind die Moleküle partiell positiv geladen und an den Sauerstoffatomen negativ.“

Die Feuchtigkeit wird also einerseits durch innere Kräfte zusammengehalten (Kohäsion), haftet aber zugleich an unserer Haut oder an Papier (Adhäsion). Die meisten Oberflächen haben ebenfalls winzige Bereiche mit positiven und negativen Ladungen, die die Wassermoleküle anziehen können. Ausnahmen bilden wachsartige Kunststoffe wie Polyethylen oder mit Silikon beschichtetes Papier. Sie weisen Feuchtigkeit und viele andere Stoffe ab. Daher lassen sich aus solchen Substanzen Tuben für Sekundenkleber oder gutes Verpackungsmaterial herstellen.

Der benetzte Finger bleibt nicht dauerhaft am Blatt haften. Dafür sind die auftretenden Kräfte zu schwach. Man kann den Effekt nur kurzzeitig nutzen. Die federleichte Fliege dagegen sitzt an der Decke, als wäre sie festgeklebt.

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