Gesundheit : Warum kippt man beim Radfahren nicht um?

Thomas de Padova

Der Stuhl sollte mindestens drei Beine haben, sonst fällt er um. Das Fahrrad dagegen bleibt mit nur zwei Rädern auf Kurs. Ein Rad ist ein kleines technisches Wunderwerk. Vor allem, wenn es ganz alleine dahergerollt kommt, wie etwa bei dem ehemals beliebten „Reifen-Treiben“: Nur mit einem kleinen Stock und ein bisschen Geschick kann man einen großen Reifen in Fahrt bringen, der sich dann leicht pendelnd vorwärts bewegt.

„Das rollende Rad versucht, seine Rollrichtung beizubehalten“, sagt der Physiker Falk Riess, Leiter der Arbeitsgruppe Fahrradforschung der Uni Oldenburg. „An seinen Außenrändern sitzt eine erhebliche Masse, und wegen der nach außen gerichteten Zentrifugalkraft wirkt sich diese äußere Masse stark auf die Richtung der Bewegung aus.“

Sobald das Rad ein bisschen aus seiner Ruhelage kippt, trachtet es danach, in die Geradeaus-Stellung zurückzukehren. Die Kunst des Fahrradfahrens besteht in erster Linie darin, die Kräfte, die das Rad selbsttätig stabilisieren, möglichst wenig zu stören. Das gilt zumindest für Geschwindigkeiten von etwa zehn bis 30 Kilometern pro Stunde. Den Lenker oder die Gewichtsverlagerung setzt man bei Start und langsamerer Fahrt häufig ein, um Neigungen auszugleichen. Man benötigt sie aber auch, um Kurven zu fahren:

Schnelle Fahrer legen sich stark in die Kurve, damit die nach außen wirkende Zentrifugalkraft sie nicht umwirft. Der gemütliche Radler dagegen steuert für eine Linkskurve zunächst leicht nach rechts, was eine kleine Neigung des Rades nach links zur Folge hat. Um dieses Kippen wieder auszugleichen, lenkt er dann nach links, legt sich ein wenig zur Seite und nimmt die gewünschte Kurve.

Das Abbiegen beherrschen wir mit ein wenig Übung ganz intuitiv. Nur das Kleinkind kann damit erhebliche Probleme bekommen, wenn es das Radfahren zunächst mit Stützrädern lernt. Eine richtige Kurvenfahrt mit drei Rädern ist kaum möglich. Mit dem dritten sitzt man besser, aber man fährt damit etwas schlechter.

0 Kommentare

Neuester Kommentar