Gesundheit : Warum klopft das Herz?

Thomas de Padova

Tag für Tag schlägt unser Herz mehr als 100 000 Mal. Auch wenn „Sonntag ist, ein Tag der Ruhe, hält der Verkehr unter den Rippen an wie sonst an den Wochentagen“, schreibt die polnische Dichterin Wislawa Szymborska. Jede Muskelbewegung des Herzens sei „wie ein Anstoß des Bootes ins offene Meer“.

Wer den Kopf auf die Brust eines anderen legt, kann hören, wie das Boot ablegt. Es verlässt eine Schleuse. Und deren Tore, die Herzklappen, schließen nicht lautlos hinter dem ausströmenden Blut.

Unser Blutkreislauf ist in den Lungen- und den Körperkreislauf unterteilt. Wir haben zwei separate Herzkammern. Die rechte Kammer – Klappe auf – pumpt das Blut über die Lungenarterie zur Lunge. Klappe zu. In der Lunge verästeln sich die Blutgefäße. An feinen Lungenbläschen reichert sich das Blut mit frischem Sauerstoff aus der Luft an. Es fließt weiter zum linken Vorhof und aus diesem Sammelbecken – Klappe auf – weiter in die linke Herzkammer. Klappe zu.

Hier beginnt der Körperkreislauf. Klappe auf – über die Aorta – Klappe zu – erreicht das Blut sämtliche Organe. Dort gibt es Sauerstoff ab und strömt zurück zum rechten Vorhof, der mit der rechten Kammer verbunden ist.

„Das Schließen der Klappen erzeugt Töne“, sagt der Kardiologe Hans Lehmkuhl vom Deutschen Herzzentrum Berlin. Die Klappen bestehen aus mehreren Segeln. Fallen sie zu, streifen die reißfesten Segel mit Tempo aneinander vorbei. „Dabei werden Schwingungen erzeugt, die als Schallwellen wahrnehmbar sind.“

Auslöser dafür sind Kontraktionen des Herzmuskels. Er windet sich schraubenförmig um das faustgroße Herz. 70 Mal pro Minute zieht er die beiden Kammern zusammen und drückt das Blut in Lungenarterie und Aorta. Entspannt er wieder, vergrößert sich das Volumen der Kammern. Sie beginnen zu saugen, die Klappen zu den Arterien schließen sich, und es entsteht ein Herzton. Gleichzeitig entleeren sich die beiden Vorhöfe und füllen die Herzkammern auf. So lange, bis die Segelklappen dichtmachen. Auch deren Schließen wird von einem Herzton begleitet.

Man kann die Herztöne selbst nicht hören. Das Herz liegt zu tief. Beim Herzklopfen infolge körperlicher oder psychischer Belastung spürt man allerdings den eigenen Herzschlag. Plötzlich ist mehr Blut in Umlauf, die Kammern werden überdehnt und drücken auf die Brust. Hören kann sein Herz jedoch nur, wer künstliche Herzklappen trägt. Die machen klick-klick.

„Die Kinder-Akademie“, eine Auswahl von 101 „Aha“-Kolumnen von Thomas de Padova, ist im Piper Verlag erschienen (176 Seiten, 14 Euro 90).

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