Gesundheit : Warum kommt die Grippe im Winter?

Thomas de Padova

Ich habe mich gerade impfen lassen: gegen Monokausalitis. Sicher kennen Sie die Krankheit und ihre Symptome: Jemand, der es wissen könnte, beantwortet Ihnen eine Warum-Frage klar und eindeutig, und Sie geben sich damit zufrieden. So einfach ist das also! Endlich kennen Sie den Grund! Und wenn es mehrere Ursachen gibt? Die vielleicht noch dazu Gegenstand aktueller Forschung sind?

Monokausalitis wird wie die Grippe direkt von Mensch zu Mensch übertragen. Bei der Grippe geschieht dies durch Tröpfcheninfektion: Jemand niest oder hustet Sie hemmungslos an, mit den kleinen Feuchtigkeitströpfchen fliegen Viren durch die Luft und finden das nächste Opfer. Sie!

Womit einige Ursachen für die Wintergrippe schon eingekreist wären: Im Winter rücken die Menschen enger zusammen. Sie halten sich drinnen auf, sind eher mit dem Bus als mit dem Fahrrad unterwegs. Das erhöht die Ansteckungsgefahr.

Viren profitieren auch von der winterlichen Heizungsluft. In beheizten Innenräumen trocknen die Schleimhäute schneller aus. Die Eindringlinge werden dann nicht gleich weggeschwemmt, sondern gelangen leichter zu den Schleimhautzellen. Sie dringen ins Innere der Wirtszellen vor und vermehren sich.

Auch die Flimmerhärchen, die durch ihre Bewegungen den in der Nase gebildeten Schleim zum Rachen befördern, sind im Winter nicht so aktiv. „Bei niedriger Temperatur funktioniert die mechanische Abwehr gegen die Erreger nicht mehr so gut“, sagt der Virologe Thorsten Wolff vom Robert-Koch-Institut in Berlin. „Die Zellen des Flimmerepithels haben dann eine geringere Bewegungsfähigkeit.“

Wir sind im Winter aber auch generell anfälliger für Erkältungskrankheiten. Dabei kann die veränderte Ernährung eine Rolle spielen, vielleicht sogar der Lichtmangel, wie einige Forscher vermuten, weil er zu einer verminderten Produktion von Vitamin D in unserer Haut führt und die Immunabwehr schwächt.

Die Grippewelle rollt zwischen Dezember und März über die Nordhalbkugel. Wenn bei uns Sommer ist, setzen die Influenza-Viren auf der Südhalbkugel ihr Treiben fort. Mit ihnen ist nicht zu spaßen: Jeden Zehnten bis Fünften erwischen sie pro Saison. Alte und kranke Menschen sind ohne Impfung schlecht dagegen gewappnet. Daher fordert eine gewöhnliche Grippewelle in Deutschland 10 000 Tote. Im Winter 1995/96 waren es sogar zwei Mal so viele.

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