Gesundheit : Warum kreist die Fliege um die Lampe?

Thomas de Padova

Manchmal ist es gut, nicht genau Bescheid zu wissen. Wenn zum Beispiel die Gemeine Stubenfliege, Musca domestica, auf dem Frühstücksbrot sitzt, dann sollten Sie sie verscheuchen, die Augen schließen und zubeißen. Ja nicht fragen, wo das Insekt herkommt. Ob es gerade seinen Kropfinhalt ausgespuckt hat, um ihn dann wieder aufzusaugen. Wie viele Bakterien es bei diesem Regurgitieren auf der Stulle hinterlassen hat. All das ist für den Beginn des Tages völlig irrelevant. Schauen Sie einfach zur Decke, und wenden Sie sich rasch einem anderen Studienobjekt zu: etwa der Kleinen Stubenfliege, Fannia canicularis.

Da schwirrt das Fliegenmännchen um die Lampe. Nicht des Lichtes wegen. Es hat den lieben langen Tag kaum anderes im Sinn, als eine Partnerin zu finden. Es tanzt hin und her, steckt sein Revier ab und interessiert sich weniger fürs Frühstücksbrot als für den Duft der kleinen Fliegenfrau.

Im Reich der Insekten ist dieses Balzverhalten weit verbreitet. Männlein und Weiblein verabreden sich an auffälligen, hoch gelegenen Plätzen wie der Lampe, an Ästen oder Hügeln. Die Männchen warten dort mitunter stundenlang tanzend auf die Partnerin. Vor allem in Gebieten, in denen es nur wenige Individuen auf weiter Flur gibt, treffen sich die Geschlechter vorzugsweise am nächsten Gipfel. Dort begegnet der Wanderer zum Beispiel Fleischfliegen oder Schmetterlingen wie dem Schwalbenschwanz, erzählt Joachim Ziegler vom Berliner Naturkundemuseum.

Diese Strategie hat auch in der guten Wohnstube Erfolg. Die Kleine Stubenfliege, obschon Einzelgänger, hat so manches Stelldichein unterm Lampenschirm. Sie bringt es insbesondere im Sommer zu einer beachtlichen Nachkommenschaft. Gut zu wissen? Nun ja, vielleicht könnte man mal wieder tanzen gehen.

AHA!

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