Gesundheit : Warum machen Zugvögel nicht schlapp?

Thomas de Padova

Wer im Sommer nach Skandinavien fährt, reist nicht ohne Mückennetz und Autan. Beim Wandern begegnet er Schnepfen, Strandläufern und vielen anderen Vögeln. Die Schnepfen fressen in ihrer Brutzeit Mücken und Schnaken und kehren zum Überwintern oder als Zwischenstopp ins Wattenmeer zurück, wo die Watvögel mit ihren langen Schnäbeln auf Jagd nach Muscheln, Krebsen und Würmern gehen.

Zugvögel wandern zur Fortpflanzung in Gebiete, in denen sie nicht das ganze Jahr über leben könnten, die ihnen aber zum Brüten und zur Aufzucht der Jungen Nahrung in Hülle und Fülle bieten. Sie überbrücken erstaunliche Strecken. So pendeln die Knutts zwischen der kanadischen Arktis und der Südspitze Argentiniens hin und her. Einige von ihnen legen in ihrer Lebenszeit einen Weg zurück, der der Entfernung zwischen Erde und Mond entspricht: 400000 Kilometer.

Dazu brauchen sie viel Treibstoff: vor allem Fette, die von allen Nahrungsmitteln den höchsten Brennwert haben, doppelt so hoch wie der von Zucker und annähernd so gut wie der von Diesel. Will etwa eine Gartengrasmücke die Sahara überqueren, in der sie nichts zu fressen findet, muss sie sich zuvor ein stattliches Energiepolster anlegen. Rund 15 Gramm Fett bedeuten für den kleinen Vogel nahezu eine Verdopplung des Gewichts. Die Flugmuskeln setzen das Fett effizient um, ein kleiner Singvogel kommt mit solch einem Vorrat 2000 Kilometer weit.

Ob er damit ans Ziel gelangt, hängt von den Witterungsbedingungen ab. „Vögel fliegen dann, wenn der Wind für sie günstig steht", sagt Ommo Hüppop, Leiter der Inselstation der Vogelwarte Helgoland. „Größere Watvögel, die in der arktischen Tundra brüten, sind darauf angewiesen mit Rückenwind zu fliegen." Sie testen die Windverhältnisse in verschiedenen Höhen aus.

Kleine Vögel müssen viel mit ihren Flügeln schlagen, um vorwärts zu kommen. Die Flügel vieler großer Vögel sind dagegen auch zum Segeln gut geeignet. Wenn Gänse ziehen oder Schwäne, Kraniche und Kormorane, sparen sie außerdem Kräfte durch den Formationsflug. Dabei hat der vorderste Vogel den größten Luftwiderstand zu überwinden, die hinteren profitieren davon und lösen ihn ab.

Trotz aller Energiesparmaßnahmen machen vor allem viele Jungvögel unterwegs schlapp, etwa wenn das Wetter plötzlich umschlägt. Manch einem fehlt auch schlicht die Flugerfahrung: Er wählt die falsche Route oder verausgabt sich zu sehr.

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