Gesundheit : Warum macht die Glocke nicht „bim, bam“?

Thomas de Padova

Viele Kirchenglocken haben ihren eigenen Namen. Und einen individuellen Klang. Da die Glocke im Gegensatz zu einer Gitarrensaite ein dreidimensionales Gebilde ist, kann ihr Metallmantel gleichzeitig auf viele verschiedene Weisen schwingen. Schlägt der Klöppel an, hören wir bis zu 50 verschiedene Töne in einem Glockenklang, so als spielten mehrere Instrumente mit unterschiedlicher Lautstärke zusammen.

Die Tonlage einer Glocke ist umso tiefer, je größer ihre Abmessungen sind. Eine große Glocke macht daher „bam“ und eine kleine „bim“. Wer aber von ein und derselben Glocke ein „Bimbam“ zu hören glaubt, hat entweder sehr gute oder schlechte Ohren.

Zwei derart verschiedene Töne könnten sich dadurch ergeben, dass die Öffnung der schwingenden Glocke mal auf den Zuhörer gerichtet ist, mal von ihm fort zeigt. „Bei offenen Kirchtürmen hört man die Glocke intensiver, wenn sie auf uns zu schwingt, und etwas schwächer, wenn sie in die entgegengesetzte Richtung schwingt“, sagt der Glockengießer Hanns Martin Rincker vom Deutschen Glockenmuseum in Greifenstein. Hörbare Unterschiede in den Tonhöhen entstünden dabei aber nicht.

Allerdings ändern sie sich tatsächlich. Läutet die Glocke auf uns zu, ist ihr Ton ein bisschen höher, ähnlich wie der Ton der Sirene eines auf uns zu kommenden Polizeiautos heller klingt, weil die Schallwellen dann in schnellerer Abfolge an unser Ohr gelangen. Die Geschwindigkeit der schwingenden Glocke ist jedoch so klein, dass die Differenz für das Ohr kaum wahrnehmbar ist, während Messinstrumente ein „Bimbam“ registrieren.

Wenn hingegen zwei Glocken im Geläut oder die Glocken mehrerer Kirchtürme gleichzeitig erklingen, schallt es tatsächlich „bim, bam“.

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