Gesundheit : Warum platzen Kirschen bei Regen?

Thomas de Padova

Regen geht der Kirsche unter die Haut. Vor allem kurz vor der Erntezeit. Dann hat ihr Fruchtfleisch einen besonders hohen Zuckergehalt.

Wo viel Zucker ist, zieht es auch Wasser hin. Wer zum Beispiel eine Handvoll Zucker auf eine Schale Erdbeeren streut, stellt fest, dass der Saft nach und nach aus den Früchten austritt. Umgekehrt saugt sich die innen süße Kirsche mit Wasser voll. Das Regenwasser strömt durch die für den Zucker selbst undurchlässige Membran in die Zellen. Der Druck im Innern steigt und kann schließlich so groß werden, dass die Kirsche platzt.

Eigentlich sollte ihre Haut sie vor diesem Schicksal bewahren. Sie umschließt die kugelige Kirsche wie eine elastische Kunststofftüte. Die glatte Hülle schützt die Frucht vor Pilzinfektionen und lässt in der Regel auch Wasser und andere Stoffe nur in wohldosierten Mengen ein und aus. Es sei denn, der gefürchtete Platzregen kommt zu einer Zeit, da die moderne, groß gezüchtete Kirsche ohnehin schon unter Druck steht.

Die Kirsche erhält ihre Haut bereits in den ersten drei bis vier Wochen nach der Blüte. Und solange sie noch grasgrün, winzig und nur anderthalb bis zwei Gramm schwer ist, ist ihre Schale noch vergleichsweise dick.

Dann aber wächst die Frucht. Über den Stiel nimmt sie Zucker und Wasser auf. Ihre Haut dehnt und spannt sich dabei wie die eines Luftballons. Die Kirsche wird immer dünnhäutiger. Zuletzt ist sie nur noch von einer nur tausendstel Millimeter dicken Schutzschicht umgeben - dafür aber knackig und marktgerechte zehn Gramm schwer. Einige neuzeitliche Süßkirschen wie „Summit“ sind mit zwölf Gramm noch praller.

„Mit zunehmender Spannung werden auch Risse in der Haut immer häufiger“, sagt Moritz Knoche vom Institut für Acker- und Pflanzenbau der Universität Halle. Wenn es kräftig regnet, dringt das Wasser daher nicht nur durch die üblichen Poren und Spaltöffnungen, sondern auch durch diese Risse in die Kirsche ein. „Es gibt dann eine flüssige Verbindung zwischen dem Regentropfen und dem Inneren der Frucht.“

Dieses Überangebot wird der Kirsche zum Verhängnis. Ihre süßen Zellen saugen so viel Wasser auf, dass der Gürtel nun auch noch aus dem letzten Loch springt. Platz da!

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