Gesundheit : Warum platzen Würstchen in Längsrichtung?

Thomas de Padova

Bei der Einführung der Dampfmaschine gab es zahllose Pannen. Vor allem die zylinderförmigen Druckkessel waren unsicher, ihr Betrieb wurde vom „Dampfkesselüberwachungsverein“ beaufsichtigt, dem Vorgänger des heutigen TÜV. Immer wieder platzten Druckbehälter, vorzugsweise in Längsrichtung.

Dasselbe Schicksal kann einen Feuerlöscher, einen Gartenschlauch oder auch ein Brühwürstchen ereilen: Wenn der Druck von innen zu groß wird, reißt irgendwann, meist schnurgerade, eine Längsnaht auf – nie eine Rundnaht.

„Bei einem zylinderförmigen Druckbehälter sind Längsnähte immer doppelt so stark belastet wie Rundnähte“, sagt Dieter Wissussek, Maschinenbauer am Institut für Konstruktionstechnik und Kolbenmaschinen der Universität Essen. Wenn’s um größtmögliche Sicherheit geht, sind daher kugelige Behälter ideal, da gibt es nur noch Rundnähte.

Wölbungen bringen grundsätzlich eine zusätzliche Steifigkeit. Die nutzen Ingenieure aus, indem sie den Boden eines Fahrzeugtanks mit kleinen Rinnen versehen, den Sicken. „Man muss nicht unbedingt mit dem Material klotzen und die Wände dicker machen, man kann auch allein durch die Form Steifigkeit erzeugen“, sagt Wissussek.

Beim Würstchen sind dem enge Grenzen gesetzt. Ihr feines Brät, das klein gehackte Fleisch, steckt meist in einem dünnen Naturdarm. Er ist prall gefüllt. Erhitzt man das Würstchen, bläht es sich sofort auf, der steigende Innendruck geht direkt auf die Pelle.

Ein Design mit kleinen Rinnen in der Wursthaut scheidet naturgemäß aus. Der Festigkeit wegen könnte man es mit Wurstkugeln versuchen. Die aber lassen sich weder gleichmäßig erhitzen noch so gut essen wie Bratwurst und Wiener.

Die Hersteller versuchen, trotzdem das Beste aus den Erkenntnissen der Ingenieure zu machen. Je dicker das Würstchen etwa ist, umso größer wird die Spannung. Der Trend geht daher zum dünnen Würstchen. Das platzt nicht ganz so leicht.

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