Gesundheit : Warum schläft der Fuß ein?

Thomas de Padova

Es gibt kaum eine heiklere Lebenslage als die Einschlafposition. Erst recht, wenn man verheiratet ist. Darf man dem Partner, der Bequemlichkeit halber, die ganze Nacht den Rücken zukehren? Oder sollte man, andersherum, der Zuwendung wegen, Atem in Atem und Knie gegen Knie in den Schlaf ziehen? Frisch Verheiratete bevorzugen oft eine dritte Variante: Die Frau ruht im Arm des Mannes. Beide schmiegen sich aneinander wie zwei Löffel im Besteckkasten. Solange, bis er einschläft – der Arm.

Zuerst kribbelt der Daumen, dann der Zeigefinger. Bald darauf laufen die Missempfindungen wie Ameisen den Arm hinauf, dem Ort entgegen, an dem der eingequetschte Nerv um Hilfe ruft. Dort liegt der Kopf der Frau genau auf dem Nervus radialis, dessen Ausläufer in die Fingerspitzen reichen. Werden solche Hilferufe nicht wahrgenommen, etwa wegen ein paar Gläsern Alkohol zu viel am Abend, kann dies sogar zu einer Lähmung der Hand führen, die auch als „paralysie des amoureux“ bekannt ist.

Der Nervus radialis verläuft ungeschützt um den Knochen. Und nicht nur er. Noch häufiger klemmen wir uns den Nervus peronaeus ab. Er schlängelt sich unterhalb der Kniekehle um das Köpfchen des Wadenbeins herum. Sitzen wir mit übereinander geschlagenen Beinen, kann seine Signalübertragung gestört werden.

„Die Signale laufen durch den Nerv wie durch ein Stromkabel“, sagt Bruno-Marcel Mackert, Neurologe an der Berliner Charité. Ein Kabel allerdings, das nur abschnittsweise durch eine ringförmige Hülle isoliert wird. Dazwischen liegt der Nerv blank. So können die elektrischen Signale von einem blank liegenden Nervenring direkt zum nächsten springen.

Starker Druck oder Durchblutungsstörungen beeinträchtigen diese „saltatorische Reizleitung“. Und da das Gehirn zwischen einer Störung im Kabel und einer Störung am Ende der Nervenfaser nicht zu unterscheiden vermag, spüren wir ein Kribbeln in den Zehen. Es dehnt sich auf den ganzen Hautbereich aus, den der Nerv versorgt. Der Fuß schläft ein – Zeit die Position zu wechseln.

Der Liebende löst sich freilich nicht leichten Herzens von seiner Frau. Und wenn er doch den Arm wegzieht, sich auf die andere Seite rollt, ein Buch nimmt und zu lesen beginnt, ergeht es ihm auch nicht besser. Auf den Ellbogen gestützt, klemmt er sich den Nervus ulnaris ein, und der kleine Finger fängt an zu kribbeln.

AHA!

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