Gesundheit : Warum schmiert der Radiergummi?

Thomas de Padova

Vergangene Woche habe ich mich von meinem Radiergummi getrennt. Ein schmieriger Typ. Wir passten einfach nicht zusammen, besser gesagt: Er passte nicht zu meinen Bleistiften. Mit 4B war er völlig überfordert.

Es war ein brauner Kautschukradierer, hergestellt aus der Milch eines Baumes, den die Indianer in Brasilien „Caa-o-chu“ nannten. An den Kautschukmolekülen bleibt das Graphit hängen, das in kleinen Plättchen auf einem beschriebenen Blatt Papier liegt. Es haftet allerdings nicht gut genug an diesen Molekülen. Rohkautschuk verteilt das einmal aufgenommene Graphit leicht wieder übers Blatt. Er schmiert.

Deshalb mischt man dem Kautschuk heutzutage eine klebrige Substanz namens „Faktis“ bei. Sie wird aus pflanzlichem Öl gewonnen. Dazu kommt noch ein bisschen feinkörniger Bimsstein, dessen Schmirgelwirkung darüber entscheidet, wie scharf der Radierer ist. Der Kautschukradierer rubbelt die oberste Schicht des Blattes weg und nimmt dem Papier seinen Glanz. Reibt er zu oft darüber, ist es durch.

Anders der Kunstoffradierer. „Er enthält einen Weichmacher, der das Graphit anlöst“, sagt Ralf Rautenberg, Produktionsleiter der Firma Läufer, des bekanntesten Radiergummiherstellers in Deutschland. Dadurch kann das Graphit mühelos in den kleinen Span eingerollt werden, der am Radierer hängenbleibt – und nicht am Papier wie die vielen Späne des Kautschukradiergummis.

Freilich kann man auch einen Kunstoffradierer wie meinen neuen transparenten „Plast-0140“ überfordern. Der beste Radiergummi schmiert, wenn er zu viel Graphit auf einmal abtragen muss. Damit er aufnahmefähig bleibt, sollte man ihm ab und an eine kleine Pause gönnen und ihn schräg zum Bleistiftstrich übers Papier führen.

AHA!

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