Gesundheit : Warum sind Toiletten so vielfältig?

Thomas de Padova

Viele Deutsche bevorzugen den Flachspüler mit dem Zwischenstopp, andere den Tiefspüler mit nur einem Blopp. Im alten Nahverkehrszug sitzen wir auf Klappenklos, im ICE oder Flugzeug auf Vakuumtoiletten, die alle Hinterlassenschaften mit nur einem Liter Wasser und dem nötigen Unterdruck in Sekundenschnelle absaugen. Bei Massenveranstaltungen benutzen wir die Chemietoilette, reisen wir nach Skandinavien, verrichten wir die Notdurft mitunter auf der Komposttoilette, und in Asien – manchmal auch in Frankreich und Italien – zwingen uns öffentliche Toiletten, in die Hocke zu gehen.

Der markanteste Unterschied bei den WCs beruht auf der Sitztradition: Der Europäer sitzt fast nur auf Stühlen, in weiten Teilen Asiens hockt man dagegen gerne auf dem Boden. Die traditionelle japanische Toilette ist folglich schlicht ein in Porzellan gefasstes Loch im Boden.

Die Hockstellung ist sehr natürlich, die Hocktoilette hygienisch, weil der Benutzer nicht mit ihr in Berührung kommt. Und damit auch nicht mit dort womöglich weilenden Bakterien, die massenhaft im Stuhl zu Hause sind. In jedem Gramm Kot befinden sich bis zu eine Billion Keime. Die meisten davon sind harmlose Darmbesiedler. Einige aber können unter Umständen Durchfall und Darminfektionen auslösen.

Im hygienebewussten Japan gibt man den Bakterien auch in privaten Haushalten, wo die Sitztoilette immer beliebter geworden ist, keine Chance. Das WC hat sich dort zu einer High-Tech-Apparatur mit Brause- und Trockenvorrichtung entwickelt, der man sich nur mit eigens dafür vorgesehenen WC-Pantoffeln nähern darf.

Die Europäer gehen sparsamer mit Wasser und Energie um. Beim hier üblichen Tiefspüler fallen die Fäkalien in ein schmuckloses, wassergefülltes U-Rohr. Nicht immer ohne Spritzer, aber die sind bei regelmäßiger Reinigung der Toilette hygienisch unbedenklich.

Der Tiefspüler neutralisiert den Gestank recht gut. Anders der Flachspüler. Dieses anrüchige, in Deutschland so populäre Klo hat eine Zwischenebene, wo sich die Fäkalien – etwa zu medizinischen Zwecken – noch einmal inspizieren lassen. Warum der Mief dafür in Kauf genommen wird? Vielleicht, weil der leistungsorientierte Deutsche in jeder Lebenslage wissen will, was hinten rauskommt.

AHA!

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