Gesundheit : Warum tropft die Kerze?

Thomas de Padova

Eine kleine italienische Trattoria. Backsteinwände, rustikale Regale mit Rotweinflaschen, helle Holztische – und dann das: Kerzen mit Manschetten aus Alufolie! Der Besitzer des Berliner Lokals hat das Silberpapier eigenhändig zu kleinen Quadraten zurechtgeschnitten und die Kerzen in die Folie gebohrt, damit ja kein Wachs auf die teuren Tische tropft. Praktisch! Aber wie viel Prävention verträgt Romantik?

Und wie viel Wachs ein Docht?

Der Docht ist meist aus Baumwolle geflochten. Er zieht das flüssige Kerzenwachs an wie Löschpapier die Tinte. Die Kräfte, die die Wachsmoleküle an die Baumwollfasern binden, sind größer als die Anziehung der Wachsmoleküle untereinander. Der Docht saugt daher ständig neuen Brennstoff auf. Was an der Dochtspitze verbrennt, wird von unten nachgeliefert.

„Der Docht muss aber an den Durchmesser der Kerze angepasst sein“, sagt Edgar Bader, Wachsziehermeister in Burgau. Ist der Docht zu groß, bleibt die Kerze zwar schön trocken, aber das viele Wachs verbrennt nicht vollständig. Die Kerze rußt. „Ist der Docht zu klein, kann er nicht genug Wachs aufsaugen“, sagt Bader. Das Wachs staut sich – und läuft irgendwann über.

Der Hauptgrund für das Tropfen der Kerze ist aber heutzutage meist nicht mehr der falsch gewählte Docht, sondern die Zugluft. Wenn der Wind mit dem Feuer spielt, bläst er die Flamme in eine Richtung, und die Kerze brennt einseitig ab. Dabei löst die Hitze auch den Rand der Kerze schneller auf, der meist aus einem besonders gehärteten und eingefärbten Wachs besteht.

Die Zugluft kann versteckte Ursachen haben. Manchmal reicht es, dass die Kerze in der Nähe eines Heizkörpers steht, wo warme Luft nach oben steigt und zu zirkulieren beginnt, um die Flamme zum Tanzen zu bringen. Wir schauen diesem Spiel gerne zu. Nur der Trattoriabesitzer nicht. Während er die Alufolie ausmisst, wünscht er sich die Zeit zurück, als es noch den Beruf des Wachsschneuzers gab. So jemanden würde er gerne einstellen.

AHA!

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