Gesundheit : Warum unser Ruf eine große Rolle spielt

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Stell dir vor, es gibt Krieg, und keiner geht hin – dieser alte Satz von Bertolt Brecht bringt Evolutionstheoretiker nach wie vor ins Schwitzen. Warum ziehen Tausende von Menschen zusammen in einen Krieg, warum opfern sie ihr Leben, obwohl sie genetisch nicht miteinander verwandt sind? Der Frage sind nun die beiden BioTheoretiker Rob Boyd und Karthik Panchanathan nachgegangen. Mit Hilfe eines mathematischen Modells meinen sie, das Problem gelöst zu haben. Sie sagen: Menschen engagieren sich in Gruppen, weil sie ihren guten Ruf nicht verlieren wollen. Die Analyse der Forscher ist in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts „Nature“ veröffentlicht (Band 432, Seite 499).

Die Wirkung eines einzelnen Menschen im Krieg ist – nach der nüchternen Analyse der Spieltheoretiker – in der Regel verschwindend gering. Auf der anderen Seite sind die Kosten für den Einzelnen hoch, im Höchstfall bezahlt er mit seinem Leben. Warum also sollte sich der Einzelne, der aus evolutionspsychologischer Perspektive in erster Linie an seinem eigenen Wohl und dem seiner nächsten Verwandten interessiert ist, sich für einen Krieg – oder generell: für das Allgemeinwohl – engagieren?

Boyd und Panchanathan argumentieren, dass der Einzelne, jedes Mal, wenn er sich nicht für Bedürftige oder das Allgemeinwohl einsetzt, sehr wohl etwas zu verlieren hat: seinen guten Ruf. In ihrem Modell kommt derjenige am besten weg, der immer dann hilft, wenn ein anderer Hilfe braucht – es sei denn, dieser andere ist jemand, der selbst niemals hilft. So stärkt er seinen Ruf gleich doppelt: Er gilt nicht nur als Helfer, sondern auch als einer, der Menschen, die sich unkooperativ verhalten, bestraft. Diese Strafe wiederum kostet ihn nichts, da sie ja lediglich daraus besteht, den anderen nicht zu unterstützen. bas

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