Gesundheit : Warum verbrennt man sich leicht an Kerzen?

Thomas de Padova

Der Baum brennt! Dieses Schreckensszenario nimmt zur Weihnachtszeit manch einem die Lust auf echte Kerzen. Die Kerze blendet, der scharfe Rand ihrer Flamme täuscht: Jeder, der sich schon einmal über einer Kerzenflamme die Finger verbrannt oder die Haare angesengt hat, weiß, dass die Hitze viel höher hinaufreicht. Manchmal leider auch bis zum nächsten Tannenzweig.

Das leuchtende Feuer ist nur ein Teil der Flamme. Es ist jener Bereich, in dem die in ihre Bruchstücke zerlegten Wachsmoleküle aufsteigen und nun als brennbares Gas heftig mit dem Sauerstoff aus der umgebenden Luft reagieren. Rußpartikel und Kohlenstoff beginnen, gelb zu glühen, und es wird mit Temperaturen von mehr als 1000 Grad Celsius so heiß, dass einzelnen Gasatomen sogar ihre Bausteine verloren gehen: Die Hitze entreißt den Atomen ihre Elektronen.

Das Gas ist nun ein Gemisch aus negativ geladenen Elektronen und den zurückgebliebenen, positiv geladenen Atomrümpfen: ein Plasma. Da die vielen Atomrümpfe ein großes Bestreben haben, ihre entwichenen oder auf der Flucht befindlichen Partner wieder einzufangen, kommt es in dem Plasma ständig zu Wiedervereinigungen. „In der Kerze passiert das in jeder Sekunde viele Billionen Mal“, sagt Andreas Wieck, Festkörperphysiker der Ruhr-Universität Bochum. Jedes neue Bündnis wird mit einem kleinen Blitz gefeiert – der Geburt eines Lichtteilchens, das das Gas aufleuchten lässt.

Das heiße, verbrannte Gas strömt weiter nach oben. Aber die vormals leuchtenden Ruß- und Kohlenstoffteilchen sind nun verbraucht, das Plasma ist erloschen. Es werden keine Lichtteilchen mehr geboren, und daher gibt es hoch über der Kerze auch keine sichtbaren Warnsignale mehr. Gerade deshalb ist besondere Vorsicht im Umgang mit Weihnachtsbaumkerzen geboten.

AHA!

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