Gesundheit : Warum Vögel gesprenkelte Eier legenPigmente tarnen, vor allem machen sie stabil Tupfer sind mehr als nur Tarnung

Frank Ufen

Vögel legen oft gesprenkelte Eier. Warum? Weil Eier, die mit rotbraunen Flecken, Tupfen oder Punkten übersät sind, für Räuber viel schlechter zu erkennen sind. So lautet die Standardantwort der Zoologie. Diese Theorie ist zwar nicht ganz falsch, aber sie kann eine Reihe von Phänomenen nicht schlüssig erklären.

Denn Vögel ein und derselben Art haben die Angewohnheit, manchmal stark pigmentierte Eier zu legen und manchmal welche, die wenig oder gar nicht pigmentiert sind. Außerdem ist schwer einzusehen, warum sich sogar Vögel den Luxus der Eifärberei leisten, die in Höhlen brüten oder ihre Nester sowieso mit den raffiniertesten Mitteln tarnen. Und schließlich: Meistens sind die Farbflecken nicht gleichmäßig verteilt, sondern sammeln sich an bestimmten Stellen.

Vor kurzem lieferte die Fachzeitschrift „Ecology Letters“ eine alternative Erklärung. Die britischen Ornithologen Andrew Gosler und James Higham (Universität Oxford) sowie James Reynolds (Universität Birmingham) untersuchten eine Population von Kohlmeisen in „Wytham Woods“, einem Naturschutzgebiet in der Nähe von Oxford. Dabei stießen sie auf einen unvermuteten Zusammenhang: Vogelmütter, die große Schwierigkeiten haben, ausreichend Kalzium aufzutreiben, produzieren am häufigsten gesprenkelte Eier. Dabei lagern sich die Pigmente genau an jenen Stellen an, wo die Schale am dünnsten ist und am leichtesten bricht.

Die Pigmente, so die Wissenschaftler, dienen in erster Linie dazu, das Ei zu stabilisieren und vor Bruchschäden zu bewahren. Das funktioniert deshalb so gut, weil der halb-kristalline Farbstoff „Protoporphyrin“ viel elastischer ist als Kalk und wie ein Stoßdämpfer wirkt. Zudem kann das Protoporphyrin Infrarotlicht ablenken und verhindert dadurch, dass das Ei überhitzt und der Embryo in tödliche Gefahr gerät.

Doch nicht genug damit. Die Ornithologen entdeckten jede Menge Pigmente am stumpfen Ende der Eier. Das ist die Seite, auf der die Küken damit anfangen, die Schale aufzubrechen. Was das bedeutet, liegt auf der Hand: Wenn die Natur gesprenkelte Eier hervorbringt, dann auch deswegen, um den schlüpfenden Küken einen Gefallen zu tun.

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