Gesundheit : Warum wandern Kröten?

Thomas de Padova

Bufo bufo, die Erdkröte, ist ein Gewohnheitstier. Jedes Frühjahr kehren die Krötenweibchen zu dem Teich zurück, in dem sie selbst geboren wurden. Dort legen sie ihre Eier ab. Das ist sicherer, als sich einen neuen Tümpel zu suchen. Denn der könnte möglicherweise später austrocknen oder es könnte dort zu viele Fische geben, die die Eier auffressen.

Gleich in den ersten warmen Frühlingsnächten laufen sie los. Alle verlassen ihre Winterquartiere zur selben Zeit. Die Masse macht’s: Wenn Hunderte von Kröten ihre Eier auf einmal in einem großen Weiher ablegen, schaffen es ihre Fressfeinde nicht, sämtliche Eier zu vertilgen.

Die Krötenwanderung verläuft recht still. Während Frösche mit lautem Gequake nach einem Partner suchen, weiß die Erdkröte von vorneherein, wann und wo man sich im Frühjahr trifft.

Die Männchen sind zuerst am Teich und dort auch in der Überzahl. Sie ziehen einen Ring um den Tümpel und halten wochenlang nach Weibchen Ausschau. Kommt das mit Eiern beladene Weibchen daher, hüpft das etwas kleinere Männchen auf den warzigen Rücken der Partnerin und klammert sich mit den Armen fest. Mit ihrem geschulterten Bewerber setzt das Weibchen seinen Weg fort.

Doch auf dem Rücken des Weibchens werden nun harte Kämpfe ausgetragen. Die Konkurrenten versuchen, das Männchen wieder zu verdrängen. Und manchmal muss ein Weibchen zwei oder drei Männchen zugleich mit sich schleppen.

Erst wenn das Weibchen die Eier in langen Schnüren im Wasser ablegt, spritzt das Männchen das Sperma darüber. Es ist eine äußere Befruchtung, und der Begattungskampf der Männchen dauert bis zum letzten Moment an. Die Leidtragenden sind die Weibchen: Manche von ihnen ertrinken, weil sie unter der Last der Männchen nicht mehr rechtzeitig aus dem Wasser kommen, um Luft zu holen.

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