Gesundheit : Warum will das FU-Präsidialamt keine nackten Leiber?

Claudia Kurreck

Der 6. Frauentag an der Freien Universität begann am Donnerstag mit heftigen Konflikten zwischen der zentralen Frauenbeauftragten Mechthild Koreuber und dem Präsidialamt. Stein des Anstosses war die Installation "Körperkommentare" der Bildhauerinnen Berit Molau und Katrin Jähne, die im Foyer und der ersten Etage des Henry-Ford-Baus anlässlich des Frauentages aufgebaut wurde. Das Präsidialamt will die Skulpturen, die im Erdgeschoss stehen, ins Obergeschoss des Gebäudes verfrachten - nach Ansicht der Künstlerinnen und der Frauenbeauftragten aus "moralischen Gründen". Mehrere der Skulpturen stellen nackte Frauenkörper dar, eine, die zur Zeit direkt vor dem Audimax steht, einen Zwitter mit eregiertem Penis. Die Installation "Körperkommentare" behandelt das Thema "Sexuelle Diskriminierung, Belästigung und Gewalt an der Hochschule".

Auf Anfrage versicherte dagegen eine Sprecherin des Präsidialamtes: "Die Skulpturen werden wegen mehrerer Großveranstaltungen nur aus Platz- und Sicherheitsgründen in das obere Stockwerk des Henry-Ford-Baus verlegt." Für die Frauenbeauftragte steht jedoch fest: "Das Präsidialamt gibt natürlich nicht zu, dass die Ausstellung aus moralischen Gründen nach oben verlegt werden soll", sagt Koreuber. Die Proteste könnten das Präsidialamt vielleicht zum Einlenken bewegen: Man überlege nun, ob es nicht reiche, die Ausstellung nur für einen Tag ins Obergeschoss zu verlegen, hieß es aus dem Präsidialamt. Bis zum 16. Dezember wird sie für das Publikum zugänglich sein.

Am Nachmittag diskutierten die Frauen in verschiedenen Foren das Thema "Umgang mit sexueller Belästigung an der Universität". Die Überschreitung der Grenze vom fairen und respektvollen Umgang zum Persönlichen und Bedrohlichen liegt häufig in einer rechtlichen Grauzone. Daher wurden von der Arbeitsgruppe gegen sexuelle Belästigung der FU Richtlinien entwickelt, die versuchen sollen, solche Übergriffe handhabbar zu machen. Mit ihrer Hilfe erhofft man sich größere Transparenz. Wie ist sexuelle Belästigung definiert, welche Möglichkeiten gibt es, die Täter rechtlich zu belangen? An der FU ist eine zentrale Anlaufstelle geplant, an die sich belästigte Frauen jederzeit wenden können. Zusätzlich soll eine unabhängige Kommission mit dieser Stelle zusammenarbeiten und über die Verfahrensweisen in den zu behandelnen Fälle mitentscheiden. Gewaltenteilung wird hier groß geschrieben, denn die letzte Entscheidung über einen Fall liegt beim Präsidenten der Universität.

Auf bundespolitischer Ebene ist, wie von Brigitte Unger-Soyker, der Abteilungsleiterin für Gleichstellung im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zu erfahren war, ein natinaler Aktionsplan geplant, also ein Paket von Gesetzesänderungen. Dort werden Themen wie häusliche Gewalt gegen Frauen, Prostitution und gewaltfreie Erziehung behandelt. Dieser Aktionsplan wird voraussichtlich am 24. November vom Kabinett verabschiedet. "Wir planen außerdem eine Novellierung des Gleichstellungsgesetzes des Bundes", meint Unger-Soyker. Dort geht es um die Vereinbarkeit von Frau und Beruf und um die Gleichstellung der Frau in der Privatwirtschaft.

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