Gesundheit : Warum wird dem Glühwürmchen nicht heiß?

Thomas de Padova

Wenn es Nacht wird, zieht sie die Blicke auf sich. Sie sitzt im Gras, hebt ihren feurigen Hinterleib und gibt ihren flugfähigen männlichen Artgenossen grünes oder gelbes Licht: Ein Käferstündchen?

Auf den ersten Freier braucht sie in der Regel nicht lange zu warten. Denn bei den Leuchtkäfern, die hier zu Lande auch Glühwürmchen genannt werden, sind die Männchen meist in der Überzahl. Jedes Glimmen und Blinken ist ein Lichtblick in ihrem kaum mehr als zweiwöchigen Käferleben.

Mit artspezifischen Signalen können Glühwürmchen über große Entfernungen hinweg Verbindung aufnehmen. Ihre Leuchtorgane sind wirkungsvolle Scheinwerfer: Hinter den durchsichtigen Fenstern am Unterleib liegen die eigentlichen Lichtzellen und dahinter Reflektoren, die alle Strahlen wie Spiegel nach außen werfen.

„Glühwürmchen verfügen über den effizientesten Leuchterzeugungsprozess, den wir kennen“, sagt Dieter Weiß vom Institut für Organische Chemie der Uni Jena. Während eine Glühbirne nur fünf bis zehn Prozent der Energie in Licht umwandelt und den Rest als Wärme abgibt, ist die Lichtausbeute der kleinen Käfer erheblich höher. „Sie setzen weit über 90 Prozent der chemisch erzeugten Energie in Licht um“, sagt Weiß, der die Lichtreaktionen der Leuchtkäfer erforscht hat.

Das Glühwürmchen glüht nicht wirklich. Es produziert so gut wie keine Wärme, sondern sendet kaltes Licht aus. Ein Licht, das weniger den eigenen Hinterleib als vielmehr die potenziellen nächtlichen Partner heiß macht. So heiß, dass sich mancher flotte Käfer von Glanz und Glamour hinters Licht führen lässt.

Von einem Weibchen der Gattung Photuris zum Beispiel. Die Dame täuscht den Männchen der Gattung Photinus vor, eine geeignete Partnerin zu sein. Sie hat deren optischen Code geknackt, antwortet gekonnt auf das inständige gelbe Blinken und lockt die Männchen an, um sie zu verspeisen. Blendende Schönheit, kalter Betrug.

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