Gesundheit : Warum wirft der Baum seine Blätter ab?

Thomas de Padova

Während sich der Hase in ein dickes, langes Fell einmummelt, wirft der Laubbaum im Herbst all seine Blätter ab. Bald steht er völlig nackt im kalten Wind, gerade so als wolle er sagen: „Schau her, Du Angsthase, ein Baumriese wie ich scheut keinen Frost!“

Und ob er den Winter fürchtet! So sehr, dass er Zehntausende Blätter abschüttelt, die ihn den Sommer über hochgepäppelt haben. Sie haben das Sonnenlicht eingefangen, die Wasserversorgung sichergestellt und alle Voraussetzungen dafür geschaffen, dass der Baum Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen und in Kohlehydrate, also Zucker, hat umwandeln können. Ohne diesen Vorgang der Photosynthese wäre der Baum nicht gewachsen, ohne Blätter kein frisches Holz.

Zur Photosynthese benötigt der Baum Wasser. Mit seinen Wurzelhaaren zieht er mehrere 100 Liter am Tag aus dem Boden und transportiert das Wasser in feinen Leitungsbahnen zu den Blättern. Die Blätter verdunsten wegen ihrer großen Oberfläche viel Flüssigkeit, und diese Verdunstung wirkt wie eine Saugpumpe, die immer neues Wasser nach oben holt. Mit zunehmender Kälte aber saugt der Baum vergebens. Bei Frost fließt kein Wasser mehr nach. Der Baum droht nun mehr Flüssigkeit durch Verdunstung über die Blätter zu verlieren, als er aus dem Boden hinzugewinnt. Um nicht auszutrocknen, entledigt er sich seines Laubdachs.

Werden die Tage kürzer und sinkt die Temperatur, leiten Hormone wie die Abscisinsäure den Laubfall ein. Zunächst baut der Baum wertvolle Stoffe wie Proteine, Kohlehydrate und das Magnesium aus dem Blattgrün, dem Chlorophyll, ab und lagert sie bis zum nächsten Austrieb im Stamm oder in den Wurzeln ein. Das Blatt verliert seine Grünfärbung. Andere, bis dahin überdeckte Farbstoffe wie die gelblichen Xanthophylle und orange Carotinoide bleiben vorerst erhalten und kolorieren das Herbstgewand. Oft erweitern rote Anthocyane diese Farbpalette noch.

Dann verschließt der Baum die Blattstiele mit einem Trenngewebe, das schnell verkorkt, sagt Christian Wilhelm, Pflanzenphysiologe der Uni Leipzig. „Das Blatt vertrocknet.“ Und mit einem Windstoß segelt es schließlich zu Boden.

AHA!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben