Gesundheit : Warum zirpt die Grille?

Thomas de Padova

Die Konzertsaison der bei uns heimischen Feldgrille ist kurz. Zwischen Ende April und Ende Juni spielen die Männchen auf. Sie geigen mit ihren Flügeln.

„Alle Grillen sind Rechtsgeiger“, sagt Martin Dambach, emeritierter Professor des Zoologischen Instituts der Universität Köln. Auf der Unterseite ihrer Vorderflügel sitzen etwa 140 feine Zähne, einer neben dem anderen. „Mit der Zahnleiste ihres rechten Flügels streichen sie über die Schrillkante des linken Flügels.“ Dabei geraten die kleinen Zähnchen in Schwingung, ihr leises Zirpen überträgt sich auf einen Lautsprecher: eine flexible Membran im Flügel. Sie verstärkt das Kri, Kri, Kri – und strahlt es in die Umgebung ab.

Die kleinen Männchen spielen mit erstaunlicher Lautstärke. Sie stimmen drei Lieder an, müssen sich in der Kunst der Verführung üben und Weibchen anlocken. Es ist wie so oft in der Natur: Das Männchen präsentiert seine Fähigkeiten, das Weibchen wählt aus.

Vom späten Vormittag bis in die Nacht hinein zirpt das Männchen auf einem Platz vor seiner selbst gegrabenen, bis zu 20 Zentimeter langen Wohnhöhle, in der es als Larve überwintert hat und in die es sich bei Gefahr verzieht. Meist fiedelt es eine eintönige Lockmelodie.

Hat sich ein Weibchen der Arena genähert und das Männchen mit den Fühlern betastet, legt sich der Streicher noch einmal ins Zeug und stimmt mit kurzen Silben die Paarungsmelodie an. Die stumme Grillendame lauscht aufmerksam mit den Ohren, die in ihren Beinen sitzen. Gefällt ihr das Konzert, besteigt sie ihn.

Doch männliche Grillen zirpen nicht nur der Fortpflanzung wegen. Besonders laut werden sie, wenn es darum geht, das eigene Revier zu verteidigen. Ist keiner vom Spiel des anderen beeindruckt, kommt es zum Kampf, den sie mit ihrem Mundwerkzeugen, den Mandibeln, austragen.

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