Gesundheit : Was aus dem Bachelor wird

Berliner Unternehmer sind offen für Absolventen mit den neuen Hochschulabschlüssen – und sehen gute Aufstiegschancen

Uwe Schlicht

Wird die Wirtschaft den neuen Bachelor-Abschluss akzeptieren? Nach jahrelanger Zurückhaltung sind die Signale jetzt positiv. Im Juni dieses Jahres hatten 20 führende deutsche Unternehmen erklärt, dass für sie das Diplom out sei. Unter dem Schlagwort „Bachelor welcome“ öffneten sie sich für die neuen Studiengänge. Nun hat die Berliner Wirtschaft nachgezogen. 137 Unternehmer – von größeren Betrieben mit über 200 Beschäftigten bis zu Einzelhändlern und Handwerkern – äußerten sich bei einer Umfrage weitgehend zustimmend zu den neuen Hochschulabschlüssen.

Das wichtigste Ergebnis der Umfrage der Berliner Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer und der Vereinigung der Unternehmensverbände: Wenn sich Bachelor im Betrieb bewähren, sollen sie die selben Aufstiegschancen haben wie andere Absolventen. 56 Prozent der Unternehmer sehen die Aufstiegschancen für den Bachelor bis hin zum Abteilungsleiter, 31 Prozent bis zum Teamleiter, 25 Prozent sogar bis zum Geschäftsführer und Betriebsleiter. Nur zehn Prozent meinen, dass es Angestellte mit dem Bachelor auch nach vielen Jahren nur zum Assistenten bringen könnten.

Alles kommt jedoch auf die individuelle Bewährung in der Berufspraxis an, betonte Katharina Heuer, Leiterin der Personal- und Bildungsstrategie der Deutschen Bahn, bei der Präsentation der Umfrage. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter Gaehtgens, zeigte sich angesichts der Umfrageergebnisse erleichtert: Wenn in der Arbeitswelt die Bachelorabsolventen auf Dauer gegenüber dem Master benachteiligt würden, wäre die große Studienreform zum Scheitern verurteilt. Erfolg könnte sie nur haben, wenn nicht alle Bachelor-Absolventen in die Masterstudien drängten. Ansonsten wäre die Vision von der Eliteausbildung in den weiterführenden Studiengängen gefährdet.

Einen deutlichen Unterschied zwischen Berufsanfängern mit Bachelor- oder Masterabschluss wollen die Betriebe aber doch machen: bei den Einstiegsgehältern. Über 30 Prozent der Unternehmer in Berlin würden einem Bachelor monatlich 2000 bis 3000 Euro zahlen; 16 Prozent aber nur 1500 bis 2000 Euro, was dem Einstiegsgehalt eines Industriekaufmanns entspricht. Auch die Anfangspositionen für den Bachelor in den Betrieben sind noch relativ niedrig: 49 Prozent sehen den typischen Einstieg beim Assistenten, 39 Prozent sogar nur beim Sachbearbeiter – eine berufliche Qualifikation, die eigentlich über die Lehre zum Bankkaufmann oder Industriekaufmann erreicht wird.

Der Einstieg beim Master liegt erheblich höher: 52 Prozent der Unternehmer wollen den Master als Assistenten starten lassen, 36 Prozent als Teamleiter und 22 Prozent sogar als Abteilungsleiter. Entsprechend besser sind auch die anvisierten Einstiegsgehälter: Drei Viertel der Unternehmer wollen die Master von Anfang an in den Gruppen 2000 bis 3500 Euro bezahlen. Sechs Prozent gehen gleich auf über 3500 Euro.

Ein großes Problem bleibt: Die Unternehmer wünschen sich von den neuen Studiengängen einen hohen Anwendungs- und Praxisbezug. Aber für zwei Millionen Studenten lassen sich nun einmal keine Praxissemester organisieren.

Die lang ersehnten positiven Signale aus der Wirtschaft gehen zudem noch ins Ungewisse: Zwar wurden bereits 23 Prozent von über 9000 Studiengängen umgestellt. Aber erst fünf Prozent der Studenten haben die neuen Studiengänge gewählt. Bachelor und Master sind bisher Spezialangebote für eine Minderheit. Die Bewährungsprobe steht noch bevor, wenn auch die großen Studiengänge im Massenbetrieb der Hochschulen auf Bachelor und Master umgestellt werden.

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