Gesundheit : Was das Problemkind leisten kann Preise für die besten deutschen Hauptschulen

Dorothee Nolte

Gute Hauptschulen haben ein Geheimrezept, meint Donate Kluxen-Pyta. Auf drei Dinge kommt es für die Vorsitzende der Initiative Hauptschule an: Die Lehrer stellen die Jugendlichen in den Mittelpunkt und fragen: Was brauchen unsere Schüler? Zweitens: Sie pflegen eine „Kultur der Anerkennung“, übertragen ihren Schülern Verantwortung, würdigen ihr Engagement etwa in Projekten und Dokumentationen und stärken dadurch ihr Selbstvertrauen. Und nicht zuletzt: Gute Hauptschulen vernetzen sich mit ihrer Umgebung, ihrer Stadt, den Betrieben und Institutionen darin und erleichtern dadurch ihren Schülern den Einstieg in den Beruf.

Mit dem „Deutschen Hauptschulpreis 2005“ wurden gestern in Berlin insgesamt 23 deutsche Schulen gewürdigt, die nach diesem „Geheimrezept“ vorgehen – das, wenn es nach Kluxen-Pyta ginge, sich möglichst schnell herumsprechen sollte. Der Preis wird alle zwei Jahre von der Initiative Hauptschule, der Gemeinnützigen Hertie Stiftung und der Robert Bosch Stiftung vergeben und ist mit insgesamt 100000 Euro dotiert. Ungefähr 180 Schulen aus dem ganzen Bundesgebiet hatten sich beworben.

Bei dem Preis stehe „das Können im Mittelpunkt, nicht die Klage über das ,Problemkind’ Hauptschule“, sagte Bundespräsident Köhler, der die Urkunden überreichte. In der Hauptschule Löhne-West (3. Preis, NRW) etwa berät der Personalchef eines Partnerbetriebs die Schüler bei der Erstellung ihrer Bewerbungsunterlagen, die Neuntklässler durchlaufen ein Assessment-Verfahren. Die Filderschule in Stuttgart (2. Preis) legt besonderen Wert auf die Leseförderung und organisiert zusammen mit zahlreichen lokalen Institutionen eine Lesewoche für Jung und Alt. In der Augsburger Friedrich-Ebert-Volksschule (1. Preis) gestalten die Schüler ihr Café und ihren Schulhof selbst, erkunden Betriebe, recherchieren Themen und präsentieren sie.

Unter den 20 Schulen, die mit Sonderpreisen und 3000 Euro bedacht wurden, befinden sich auch die Heinz-Brandt-Hauptschule in Berlin-Weißensee und die Jean-Piaget-Oberschule in Kreuzberg.

Letztlich können alle Schulen nur so gut sein wie ihre Lehrer. Die beiden Stiftungen und die Initiative Hauptschule vergaben daher auch einen „Lehrerpreis Hauptschule“ an zwei besonders engagierte Lehrer aus Ahlen und Frankfurt, die von ihren Schülern vorgeschlagen wurden. In den angelsächsischen Ländern seien so genannte „Teacher’s Awards“ gang und gäbe, sagte Roland Kaehlbrandt, Geschäftsführer der Hertie Stiftung. Vielleicht ist auch das ein Geheimrezept zur Stärkung von Engagement und Identifikation, das sich rumsprechen sollte.

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