Gesundheit : Was nicht zusammengehört

Von George Turner, Wissenschaftssenator a. D.

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Die Zahl der Senatsverwaltungen ist in Berlin durch die Verfassung auf acht festgeschrieben – und die bisherige Verbindung mit Kultur erscheint nicht eben glücklich. Daher gibt es Überlegungen, die Ressorts für Wirtschaft und Wissenschaft zusammenzulegen. Man verspricht sich von einer solchen Maßnahme unter anderem eine effektivere Arbeitsmarktpolitik, mehr unmittelbaren Nutzen der Forschung für Unternehmen und eine bessere Ausgangslage bei Industrieansiedlungen.

Die in der Diskussion befindliche Neugliederung ist keineswegs der große Wurf, den manche jetzt zu erkennen glauben. Aufgaben und „Klientel“ sind zu unterschiedlich. Vertreter der Wirtschaft, das heißt Unternehmer oder Manager, müssen auf Umsatz und Gewinn achten. Wissenschaftler sollen frei sein, Lehre und Forschung zu betreiben, wobei mit den ihnen anvertrauten Mitteln sparsam umzugehen ist.

Ein Ressortchef, der für beide Bereiche verantwortlich ist, muss auf politischen Erfolg und auf vorzeigbare Ergebnisse achten. Dies ist mit der Unterstützung von wirtschaftlichen Aktivitäten schneller möglich als in dem mit langem Atem arbeitenden Bereich der Forschung. Glaubt denn ernsthaft jemand, dass dann, wenn es um die Erhaltung von Arbeitsplätzen geht, solche zu Gunsten eines wissenschaftlichen Projekts geopfert würden? Um die Wissenschaft für die Wirtschaft nutzbar zu machen, kann es im Übrigen leicht zu einer „Indienststellung“ der einen zugunsten der anderen kommen.

Wenn beklagt wird, dass ein einheitliches Ressort von Wissenschaft und Kultur in der Praxis dazu führt, dass die zuständige Leitung ihre politischen Prioritäten im kulturellen Sektor setzt, wird das in der Kombination Wirtschaft und Wissenschaft auch zu Lasten der Wissenschaft der Fall sein. Kommt der Ressortchef aus der Wirtschaft, wird die Wissenschaft sich vernachlässigt fühlen, vor allem die Bereiche, die keinen unmittelbaren Kontakt mit Industrie oder Handel haben. Kommt die betreffende Person aus der Wissenschaft, insbesondere aus dem Hochschulbereich – was eher unwahrscheinlich erscheint – wird es umgekehrt sein.

Wenn man meint, Wissenschaft und Kultur passten nicht zusammen, ist es sinnvoller, Wissenschaft und Schule in einem Ressort verwalten zu lassen. Immerhin würden dann die Schnittstellen von Schule und Hochschule einer einheitlichen Betrachtung unterliegen. Richtig wäre, Wissenschaft und Forschung als eigenständiges Ressort zu führen. Das ist zu erreichen, indem Kultur in der Senatskanzlei angesiedelt wird. Und eine bessere Lösung als die Zwangsfusion mit der Wirtschaft wäre diese Kombination allemal.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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