Gesundheit : Was Studenten vom Leben erwarten Studie: Fachhochschüler haben Zukunftsangst

Elke Bojanowski

Es herrscht Krisenstimmung unter deutschen Studenten. Immer mehr erwarten Schwierigkeiten beim Einstieg in den Arbeitsmarkt. Dies ist eines der Ergebnisse des 9. Studierendensurveys zur „Studiensituation und studentischen Orientierungen“, den das Bundesforschungsministerium jetzt veröffentlichte. Die Studie beruht auf der Befragung von knapp 10000 Studenten, die 2003/2004 an deutschlandweit 26 Universitäten und Fachhochschulen eingeschrieben waren.

Erstmals beurteilten dabei Fachhochschüler ihre Berufsaussichten schlechter als ihre Kolleginnen an Unis. Die Verbesserung der Arbeitsmarktchancen steht ganz oben auf ihrer Liste mit Verbesserungsvorschlägen. Universitätsstudenten drängen dagegen eher auf Lehrveranstaltungen in kleinerem Kreis sowie auf einen stärkeren Praxisbezug.

Studierende beider Hochschulformen reagieren auf die Verschlechterung ihrer beruflichen Chancen mit einer „hohen Bereitschaft zu Belastungen, Einbußen und Flexibilität“. Vier von fünf würden einen Wohnortwechsel, längere Fahrzeiten, oder finanzielle Einbußen akzeptieren. Nur ein Fünftel wäre allerdings bereit, einen ihrer akademischen Ausbildung nicht adäquaten Beruf auszuüben.

Um ihren Einstieg in den Beruf zu erleichtern, bemühen sich viele Studenten um Arbeitserfahrungen neben oder vor dem Studium. Weniger als die Hälfte der Schulabgänger mit Hochschulzugangsberechtigung beginnt unmittelbar mit dem Studium. Viele entscheiden sich zunächst für Berufsausbildungen oder -praktika. Allerdings verbrachte auch knapp ein Drittel der Studenten die Zeit vor Studienantritt mit „reisen, pausieren oder jobben“. Einen guten und schnellen Studienabschluss halten knapp zwei Drittel der Studierenden für geeignet, um ihre Berufsaussichten zu verbessern. Dies führt dazu, dass der Anteil älterer Studenten – über 26 Jahre – weiter zurückgegangen ist. Gewirkt haben hier auch studienzeitverkürzende Maßnahmen.

Bei allem Pessimismus in Bezug auf die Zukunftsperspektiven sind die Studenten mit der Studienqualität selbst insgesamt zufrieden. Vor allem den Inhalt des Lehrangebotes beurteilen mehr als zwei Drittel der Studierenden mit gut oder sehr gut. Eher unzufrieden zeigten sich die Befragten allerdings mit der angebotenen Betreuung und Beratung.

Ob junge Menschen sich überhaupt für ein Studium entscheiden, wird vor allem von zwei Faktoren beeinflusst: von der sozialen Herkunft oder der beruflichen Qualifikation der Eltern sowie von den schulischen Leistungen. Selbst bei sehr guten Noten war für Studierende aus einfacheren sozialen Milieus die Studienaufnahme deutlich unsicherer als für sehr gute Schüler mit akademischer Herkunft. Andere Faktoren, wie das Geschlecht, spielen eine untergeordnete Rolle.

Beim Blick auf die Erwartungen der Studierenden an das Studium zeigten sich fächerspezifische Unterschiede. Naturwissenschaftler äußerten vorrangig Hoffnungen auf eine gute fachliche und wissenschaftliche Ausbildung. Studenten der Wirtschaftswissenschaften hingegen interessierten sich vorrangig für das zukünftige Einkommen. Und jeder 14. erwartet sich vom eigenen Studiengang vor allem eins: die Berufstätigkeit möglichst lange hinauszuzögern.

Die Studie im Internet:

www.bmbf.de/pub/studiensituation_und_studentische_orientierungen_2005.pdf

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