Gesundheit : Wechsel an die Charité abgelehnt

Dresdner Klinikumsleiter Albrecht hat Angst vor Berliner Politikern

Uwe Schlicht

Die vereinigte Berliner Charité hat Schwierigkeiten, für ihre Leitungspositionen renommierte auswärtige Kandidaten zu gewinnen. Der Sprecher des medizinischen Vorstandes der Universitätsklinik Carl Gustav Carus in Dresden, Michael Albrecht, hat es jetzt abgelehnt, in Berlin die Position des Klinikumsdirektors an der Charité zu übernehmen. Der Vorstandsvorsitzende Detlev Ganten kommt ebenso aus Berlin wie der neue Dekan der vereinigten Charité, Martin Paul, der bisher Dekan am früheren FU-Klinikum Benjamin Franklin war.

Offiziell wird die Absage von Albrecht mit „persönlichen und privaten Gründen“ erklärt. So äußerten sich jedenfalls der Vorstandsvorsitzende Detlev Ganten und der Staatssekretär Gerhard Husung gegenüber dem Tagesspiegel. Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt habe sich dafür eingesetzt, dass Albrecht an der Spitze des Klinikums in Dresden bleibe und nicht an die Charité nach Berlin gehe. Ganten, der wie Wissenschaftssenator Thomas Flierl und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit an den Verhandlungen mit Albrecht beteiligt war, sagte, man habe sich sehr darum bemüht, Albrecht zu gewinnen.

Gut informierte Kreise, denen gegenüber Albrecht seine Ablehnung begründet hatte, interpretieren den Ablauf der Verhandlungen anders: Der ärztliche Leiter des Dresdener Klinikums habe die Sorge, er könne nach kurzer Zeit von den Berliner Politikern im Stich gelassen werden, wenn es ihm nicht gelänge, die großen finanziellen und organisatorischen Probleme zu lösen. Dann wolle er nicht als Opfer seinen Kopf hinhalten. Die Probleme liegen auf der einen Seite in dem enormen Defizit von 53 Millionen Euro, von denen allein 30 Millionen in den letzten Monaten der Übergangszeit bis zum Amtsantritt von Detlev Ganten entstanden sein sollen. Außerdem muss die Charité 98 Millionen Euro bis zum Jahr 2010 erbringen – unter Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen.

Hinzu kommt, dass nach dem Ausschreibungstext die Stelle für den Direktor des Klinikums vor allem mit einem Verwaltungs- und Finanzexperten besetzt werden sollte. Der Direktor muss mit den Krankenkassen verhandeln und ist für die Organisation der Betriebsabläufe sowie das Controlling verantwortlich. In seine Amtszeit wäre auch die Umsetzung der neuen Abrechnungsmethode nach den Fallpauschalen (DRGs) gefallen, was zu einem Verlust von Betten und zu großen organisatorischen Neuordnungen führen wird. Michael Albrecht jedoch ist von Haus aus Mediziner mit den Fachgebieten Anästhesie und Intensivpflege. Der 45-Jährige ist seit dem Juni 2002 Sprecher des Vorstandes des Klinikums in Dresden und berät mehrere Bundesländer bei der Finanzierung der Hochleistungsmedizin. Er war für den Tagesspiegel nicht erreichbar, da er sich auf einer Dienstreise befindet.

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