Gesundheit : Weg mit den heiligen Kühen

Wirtschaftsforum an der Humboldt-Universität

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Bekommt Finanzsenator Thilo Sarrazin plötzlich Unterstützung von den Berliner Studenten? „Ich bin total dagegen, dass die Universitäten mehr Geld bekommen. Das nimmt nur den Druck von ihnen, sich zu reformieren“, rief ein Student bei einer Diskussion um die Reformen an den deutschen Hochschulen in der HumboldtUniversität. Ein „Schlachtfest für die heiligen Kühe an den Hochschulen“ forderte er.

„Besser ändern“ hieß das Motto des von Studenten organisierten Wirtschaftsforums, in dessen Rahmen die Diskussion stattfand. Da auf dem Podium auch Detlef Müller-Böling saß, hatten Streikaktivisten des letzten Semesters Proteste angekündigt. Müller-Bölings Centrum für Hochschulentwicklung gilt wegen seines Eintretens für Studiengebühren als studentischer Lieblingsgegner. Doch die Proteste blieben aus. Die Studenten im Publikum zeigten sich diesmal als die radikaleren Reformer.

Vor allem HU-Präsident Jürgen Mlynek warfen die Zuhörer Versäumnisse vor. Die Unis setzten selbst jene Reformen nicht um, für die kein zusätzliches Geld nötig sei. „Sie nutzen das Potenzial ihrer Studenten nicht“, kritisierte ein Jung-Historiker. Viele ältere Studenten würden gerne Tutorien anbieten – statt Geld reiche den meisten ein Uni-Schein. In die Studienordnungen fänden solche Ideen oft keinen Eingang. Wo denn das Ranking von Professoren in Vorlesungsverzeichnissen bleibe, fragte ein Kommilitone. Und wann Dozenten endlich nach ihren Leistungen in der Lehre bezahlt würden.

Mlynek räumte ein, dass es in der Lehre die „größten Defizite“ an den Unis gebe. Und Grietje Bettin, bildungspolitische Sprecherin der Grünen, gab zu, dass Bildungsinvestitionen auch im Innovationsjahr des Kanzlers „wahlkampftaktisch nicht relevant“ seien. Aber direkte Antworten auf die Fragen der Studenten konnte keiner geben. tiw

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