Gesundheit : Weg mit den Kiemen, ab aufs Land

Weberknechte passten die Atmung schon vor 400 Millionen Jahren an

Thomas de Padova

Als vor etwa 420 Millionen Jahren der erste Tausendfüßler an Land ging, folgte ihm ein flotter Jäger auf acht Beinen: der Weberknecht. Er ist nach heutigen Erkenntnissen das erste Tier, das seine Atmung völlig auf das Landleben einstellte. Wie Forscher der Berliner Humboldt-Universität und der Universität Münster herausgefunden haben, besaß der Weberknecht bereits vor 400 Millionen Jahren keine Kiemen mehr. Er hatte stattdessen ein Luftröhrensystem (Tracheen), das über den ganzen Körper verteilt war, berichten sie im heute erschienenen Wissenschaftsmagazin „Nature" (Bd. 425, S. 916).

Die Forscher suchten in der Nähe des Dorfes Rhynie in Schottland in einer uralten Felsformation nach Überresten aus jener Zeit. Mit Diamantsägen schnitten sie das harte Gestein auf und fanden darin drei außergewöhnlich gut erhaltene fossile Weberknechte. „Das Gestein ist so dünn geschliffen, dass wir die komplette dreidimensionale Struktur der Weberknechte erkennen können“, sagt Jason Dunlop, Experte für Spinnentiere am Berliner Naturkundemuseum.

Bei den drei Weberknechten handelt es sich um ein Weibchen und zwei Männchen. „Selbst ihre Geschlechtsorgane sind völlig erhalten“, sagt Hans Kerp von der Uni Münster. Der Penis der Männchen erreichte schon damals zwei Drittel der Körperlänge. Auch das weibliche Organ zur Eiablage ähnele dem heutiger Weberknechte, sagt Kerp. „Es ist der älteste Nachweis von Geschlechtsteilen fossiler Tiere überhaupt."

Eine noch größere Überraschung aber war das verzweigte Luftröhrensystem der Tiere. „Es ist erstaunlich, dass die Tracheen so modern aussehen“, sagt Dunlop. Die Röhrchen transportieren den Sauerstoff direkt zu den Muskeln und nicht erst über das Blut – eine sehr effiziente Atmung, die es Weberknechten ermöglicht, dauerhaft aktiv zu sein.

Vermutlich konnten sich Weberknechte zuerst nur kurzzeitig außerhalb des Wassers aufhalten. Später wandelten sich die Kiemen, die außen lagen und im Wasser hingen, dann zu internen Atmungsorganen mit kleine Öffnungen um. Andere frühe Landgänger wie die Skorpione haben seit mindestens etwa 350 Millionen Jahren „Buchlungen“ mit fächerartig übereinander liegenden Lamellen. Ob sich die Atmung von Skorpionen oder Tausendfüßlern wirklich erst so spät an das Landleben anpasste, können nur weitere Funde zeigen. Thomas de Padova

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben