Gesundheit : Weg vom öffentlichen Tarifrecht

Helmholtz-Chef Mlynek fordert mehr Freiheit

-

Weniger Bürokratie und mehr Freiheit für die Wissenschaft hat Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, gefordert. Um die Leistungsfähigkeit der Forschung zu steigern, müssten die wissenschaftlichen Einrichtungen „in die Lage versetzt werden, unternehmerisch zu handeln“, sagte Mlynek am gestrigen Dienstag in Berlin. „Wir müssen vom Tarifrecht des öffentlichen Dienstes wegkommen, um internationale Spitzenforscher rekrutieren zu können.“

Mlynek zog eine positive Bilanz seines ersten Jahres als Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, in der 15 staatliche Forschungszentren mit 25 000 Mitarbeitern zusammengeschlossen sind. Die vor fünf Jahren eingeführte programmorientierte Förderung habe sich bewährt. Seit dieser Zeit werden die öffentlichen Zuwendungen (2006 rund 1,6 Milliarden Euro) nicht mehr an einzelne Helmholtz-Institute, sondern an zentrenübergreifende Forschungsprogramme vergeben. Die sechs Schwerpunkte sind Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Verkehr und Weltraum.

Es sei die Mission der Helmholtz-Gemeinschaft, Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft zu leisten. Dabei setze man auch auf große Geräte wie Teilchenbeschleuniger. Die in der Helmholtz-Gemeinschaft entwickelte Technik solle auch zur Wohlstandssicherung dienen, sagte Mlynek. Als wichtige Vorhaben nannte er die Einrichtung von vier Translationszentren, in denen die Entwicklung neuer Arzneimittel vorangetrieben werden soll, das Tsunami-Frühwarnsystem und den in Hamburg geplanten Elektronen-Röntgenlaser. Der Helmholtz-Präsident lobte den Pakt für Wissenschaft und Innovation, nach dem die großen Wissenschaftsorganisationen bis zum Jahre 2010 jedes Jahr drei Prozent mehr Fördermittel erhalten sollen. Die Hightech-Strategie sei ebenfalls ein Fortschritt, weil sie die politische Zuständigkeit für Forschungsthemen wie Energie unter einen Hut bringe.

Besondere Aufmerksamkeit will Mlynek der Nachwuchsförderung und Personalentwicklung widmen. Hochqualifizierte Mitarbeiter sollen unterstützt werden. Geplant sind eine Helmholtz-Akademie für Führungskräfte, Helmholtz-Kollegs und Graduiertenschulen. „Am Schluss möchte ich einen Goldfischteich voller Talente haben, in den ich nur reingreifen muss, um eine Führungsposition zu besetzen“, sagte Mlynek.

Auch die „Marke“ Helmholtz soll bekannter werden. Neun Zentren werden sich umbenennen und den Namen „Helmholtz“ integrieren. Hermann von Helmholtz (1821 bis 1894) war Universalgelehrter und einer der einflussreichsten Forscher seiner Zeit.

Den Erwin-Schrödinger-Preis der Helmholtz-Gemeinschaft bekommt in diesem Jahr ein Forscherteam des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, das assoziiertes Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft ist. Die Wissenschaftler entwickelten eine „Heizung“ für den Fusionstestreaktor Iter. wez

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben