Gesundheit : Weggehen oder heiraten: Hass und kleinliche Gesetze verjagen ausländische Absolventen

Sophie Brachvogel

Weshalb ist in Deutschland nur jeder 15. Doktorand Ausländer, in England aber jeder fünfte? Der Bündnisgrüne Cem Özdemir kann reihenweise Gründe nennen, warum sich Studentinnen und Studenten aus dem Ausland nicht von deutschen Hochschulen angezogen fühlen: "Das Sprachangebot ist sehr unattraktiv, und die Kriterien für eine Visaerteilung kleinlich." Für ein schlechtes Image der deutschen Universitäten würden nicht zuletzt auch die skandalösen Bilder in Weimar sorgen. "Ausländische Studenten konnten sich dort nicht auf den Marktplatz trauen, ohne angegriffen zu werden", sagte Özdemir auf dem "Migrationspolitischen Forum", das das Forschungszentrum für Internationales und Europäisches Ausländer- und Asylrecht der Uni Konstanz in Berlin veranstaltete. Özdemir versprach, seine Fraktion werde sich dafür einsetzen, das Recht flexibler zu gestalten, so dass die ausländischen Studenten auch einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen könnten. Denn bisher müssen sienach ihrem Studium die Koffer packen - entweder gehen oder heiraten.

Dabei wünschen sich Firmenvertreter durchaus, sie könnten das Potenzial der ausländischen Absolventen ausschöpfen, wie Rosemarie Mielich, Senior Managerin für europäisches Recht und Arbeits- und Sozialrecht bei DaimlerChrysler, verdeutlichte. Mit 500 Tochtergesellschaften im Ausland hat das Unternehmen besonderes Interesse an Fachkräften, die als Ausländer hier studiert haben. "Softskills wie Sprachkenntnisse, Auslandserfahrung und interkulturelle Kompetenz gewinnen an Bedeutung - nicht zuletzt als Erfolgsgarant für unsere internationale Zusammenarbeit", meinte Mielich. Deutschland müsse sich auch fragen, wie es mit Ausländern umgehe, jeder Ausländer müsse mit Respekt behandelt werden. Auf die Frage, warum sie nicht in Deutschland bleiben wolle, habe eine ausländische Studentin geantwortet: "Es ist ein sehr feindseliges Land."

Wie Özdemir kritisierte Mielich das umständliche Ausländerrecht: "Ständig ändern sich Verordnungen, für eine dreimonatige Arbeitstätigkeit dauert das Verfahren oft länger als der erstrebte Aufenthalt." Wenig Verständnis zeigte sie auch für die Schwierigkeiten bei Arbeitnehmern aus den künftigen EU-Beitrittsstaaten. Immerhin kommen die meisten ausländischen Studierenden in Deutschland aus osteuropäischen Ländern.

"Die Rahmenbedingungen müssen besser gestaltet werden", meinte auch Hans-Joachim Stanger vom Bundesinnenministerium. Nicht nur die Qualität des Studiums sei entscheidend, sondern auch das Aufenthaltsrecht. Es müsse in erster Linie nicht eine ordnungsrechtliche, sondern eine Dienstleistungsfunktion haben: "Die Einreise und der Aufenthalt müssen unkompliziert möglich sein." Beschlossene Sache ist seit Juni die während der Vorgängerregierung entwickelte 500seitige allgemeine Verwaltungsvorschrift. "Erleichterungen in der Visumserteilung und Aufenthaltsgenehmigung sind darin enthalten", so Stanger.

Wenig Aufschlussreiches gab es zum Abschluss der Veranstaltung von Seiten der EU. France Mochel von der Generaldirektion Recht und Innere Angelegenheiten in Brüssel erklärte, erst nächstes Jahr werde die EU einen Vorschlag zur Einwanderung ausländischer Studenten präsentieren.

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