Gesundheit : Weibliche Antworten auf brisante Fragen - Start im Juli auf der Expo

Sonja Kastner

Hillary Clinton und Madelaine Albright gehören zu den berühmtesten Absolventinnen der Frauen-Uni Wellesley College im US-Bundestaat Massachusetts. In den USA, Japan und Korea gehören Universitäten für Frauen längst zum festen Bestandteil der Hochschullandschaft. In Deutschland startet die erste Internationale Frauen-Universtität (ifu) als Modell-Versuch während der Expo in Hannover. Vom 15. Juli bis zum 15. Oktober wird die ifu an der Uni Hannover sowie an fünf weiteren norddeutschen Hochschulen ein Zuhause finden. Die Uni soll den Grundstein für ein neuartiges Graduiertenkolleg bilden, das die Nachwuchsförderung junger Wissenschaftlerinnen institutionalisiert. "Am schönsten wäre es, wenn wir eine ständige PräsenzUni für Frauen in Deutschland errichten könnten", hofft die Präsidenten der Frauen-Uni, Aylâ Neusel. Rund 900 Hochschulabsolventinnen aus 120 Ländern werden im Sommersemester an der Frauen-Uni zu sechs übergeordneten Themen forschen. Zur Wahl stehen die Bereiche Information, Körper, Migration sowie Wasser, Arbeit und Stadt. Kühn präsentierte Aylâ Neusel am Dienstag in der TU Berlin das Konzept und Programm der Uni für Frauen. "Wir haben brisante Themen angepackt, die in der deutschen Hochschulpolitik diskutiert werden. Und wir bieten Lösungen", verspricht Neusel. Statt eines behäbigen Verwaltungsapparates betreuen Tutorinnen die Studentinnen in "Service Centern" bei der Organisation ihres Studienaufenthaltes. Nach der Expo werde sich der Modell-Versuch Frauen-Uni einer externen Evaluation unterziehen. Kritischen Stimmen, die die Anbindung des Projektes an die Expo monieren, begegnet Aylâ Neusel souverän: "Wir knüpfen an die Tradition der Frauenbewegung an, die schon bei der Weltaustellung 1893 in Chicago mit 15 000 Teilnehmerinnen vertreten war."

Eine Gruppe von Lehrenden aus 12 Ländern legte die Themen und Lehrpläne fest. Aylâ Neusel betont: "Schon dabei haben meine Kolleginnen viel gelernt. Im Dialog sind Fragen entstanden, die die eigene Forschungsarbeit vorantreiben", berichtet sie. Während der drei Monate in Hannover werden die rund 150 Lehrenden Vorlesungen halten, die Nachmittage sind für der Projektarbeit der Studentinnen reserviert. Nicht nur Professorinnen, sondern auch Frauen mit langjähriger Praxis-Erfahrung und Künstlerinnen werden die interdisziplinären Forschungsprojekte betreuen. Die Unterrichtssprache ist Englisch. Mit der Öffentlichkeit werden die Wissenschaftlerinnen an acht Terminen in "Open Space"-Veranstaltungen in Kontakt treten. Zu projektübergreifenden Themen sollen auch hier Politikerinnen und Künstlerinnen zu Wort kommen. Im Oktober werden die Studentinnen schließlich ihre Forschungsergebnisse vorstellen und auch ein Resümee der Frauen-Uni ziehen. "Die internationale Vielfalt der Bewerberinnen hat mich fasziniert. Einige kommen aus Ländern, von denen ich noch nie etwas gehört habe", sagt Aylâ Neusel. Sie selbst war in den 50er Jahren die erste ausländische Studentin an der Technischen Universität Stuttgart sowie die erste weibliche Assistentin in einem technisch orientierten Lehrstuhl in Deutschland.

Die Frauen-Uni wird auch im World Wide Web vertreten sein. Ziel der virtuellen "ifu" ist die Errichtung eines Netzwerkes aller Teilnehmerinnen, das über den Zeitraum der Expo hinausgeht. Es gehe nicht darum, Vorlesungen per Videokonferenz von einer Stadt in die andere zu übertragen, sagt Heidi Schelhowe, Informatikerin von der Humboldt-Uni, die die virtuelle "ifu" leitet. "Wir wollen, dass die Teilnehmerinnen wissenschaftlich miteinander in Kontakt treten." Eine einfache Aufgabe sei dies nicht: "Hierfür gibt es so gut wie keine Vorbilder."

Was nach der Expo von der Frauen-Uni übrigbleibt ist unklar, noch fehlt ein detalliertes Konzept und Geld. Die bisherige Zusammenarbeit mit Sponsoren und Spendern geben Aylâ Neusel aber Anlass zur Hoffnung, dass die 100 Tage während der Expo Anstoß zum Weitermachen geben werden.

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