Gesundheit : Weihnachtsmänner tragen Trauer Berliner Studentenjob-Vermittlung Tusma gibt auf

Tilmann Warnecke /Amory Burchard

Berlin ist um eine Institution des studentischen Lebens ärmer. Wie gestern bekannt wurde, stellt die 1949 an der Technischen Universität gegründete Arbeitsvermittlung Tusma zum Monatsende ihren Betrieb ein. Die Tusma hatte im März Insolvenz angemeldet und einen Sanierungsplan angekündigt. Unter anderem sollten in der Verwaltung Stellen eingespart werden. Jetzt wurde den 19 Mitarbeitern zum 30. April gekündigt. Bis dahin wolle die Tusma noch Arbeitskräfte vermitteln, sagte eine Mitarbeiterin. Der Tusma-Vorstand war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Rund 8000 Studenten bekamen im letzten Jahr durch die Tusma einen oder mehrere Jobs. Mehr als 90 Prozent davon sind Ausländer. Studentenvertreter bedauerten gestern die Schließung. „Gerade weil die Joblage für Studenten im Moment schlecht ist, wiegt der Wegfall besonders schwer“, sagt Andreas Baumann vom Asta der Technischen Universität. Während andere studentische Arbeitsvermittlungen wie die Heinzelmännchen in letzter Zeit hauptsächlich Fachkräfte vermittelt hätten, sei die Tusma die ideale Anlaufstelle für Kurzzeit-Jobs ohne Vorkenntnisse gewesen, sagt sein Asta-Kollege Mathias Hofmann. „Wer für Geld Möbel schleppen wollte, war bei der Tusma am besten aufgehoben.“

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Tusma waren lange bekannt. Denn die Wirtschaftskrise macht auch den studentischen Arbeitsvermittlungen zu schaffen. 1999, zum 50. Tusma-Geburtstag, ging das Arbeitgeberangebot stark zurück. Großkunden wie die Telekom zogen sich zurück. Letztes Jahr meldete das Deutsche Studentenwerk, dass die Zahl der Studentenjobs gerade in Großstädten wie Berlin drastisch gesunken sei.

Studentenvertreter spekulieren, dass auch ein Verdrängungswettbewerb für die Insolvenz verantwortlich ist. Die Heinzelmännchen, die zweite große Studentenjob-Agentur unter der Regie des Studentenwerkes, und die Tusma konkurrieren seit einigen Jahren um Studenten aller Berliner Hochschulen. Erst vor kurzem habe seine private Studenten-Arbeitsvermittlung „Effektiv“ ein Angebot gemacht, bei der Tusma einzusteigen, sagt Geschäftsführer Ratko Djokic.

Auch das Zuwanderungsgesetz könnte zum Ende der Tusma beigetragen haben. Seit Januar dürfen ausländische Studenten nur noch 90 volle Tagen jobben statt früher 180 Tage im Jahr. Ein harter Einschnitt für Tusma-Klienten, die ihren Lebensunterhalt voll mit den Kurzzeitstellen bestreiten und kaum noch studieren. Im Januar sei die Zahl der vermittelten Studenten deswegen bei der Tusma stark eingebrochen, heißt es in der Szene.

Gegründet wurde die Tusma 1949. Der Name leitete sich aus den Anfangsbuchstaben des Mottos ab: „TU Studenten machen alles“. Der erste vermittelte Student reparierte eine Klingel. Als sich die Vermittlung vier Jahre später auch für andere Hochschulen öffnete, wurde der Slogan angepasst: „Telefoniere und Studenten machen alles“. Jahrzehntelang liefen die Telefone im Büro auf dem TU-Campus heiß – seit 1964 auch zur Weihnachtszeit: Im Jahr des 15. Jubiläums gründete die Tusma ihren Weihnachtsmann-Service, der später auch weibliche Weihnachtsengel vermittelte. 1999 war die Tusma mit täglich bis zu 400 vermittelten Jobs Marktführer auf dem studentischen Zeitarbeitsmarkt in Berlin.

Vor einem Jahr wollte die Tusma noch einmal an die großartige Zeit des Aufschwungs anknüpfen und vermittelte erstmals kostümierte Osterhasen. Retten konnte diese liebenswerte Aktion die Jobvermittler nicht mehr.

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