Gesundheit : Welche Chancen haben abgewiesene Bewerber?

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DEN STUDIENPLATZ EINKLAGEN – DIE AKTUELLE FRAGE

HORST

MILEWICH (47),

Rechtsanwalt und Notar in Berlin, klagt seit

1985 Studenten auf

Studienplätze ein.

Foto: privat

Die Berliner Unis haben in diesem Semester mehr Studienbewerber abgewiesen als je zuvor. Wie stehen die Chancen, doch noch an einen Studienplatz zu kommen?

Grundsätzlich gut. Gerade in den Fächern, in denen erstmals der Numerus clausus (NC) eingeführt wurde, wird es spannend. Da gibt es noch keine verfestigte Berechnungsmethode für die Studienplatzzahl. Es ist wahrscheinlich, dass die Unis Fehler bei der Kapazitätsberechnung gemacht haben. Bei der Zusammenlegung der Medizin von Freier und HumboldtUniversität ist es nicht einsichtig, warum es weniger Studienplätze bei gleicher Personalstärke geben sollte. In solchen Fällen müssten die Unis zusätzliche Plätze zur Verfügung stellen, die verlost werden.

Und welche Studenten profitieren davon?

All jene, die bei der Universität bis zum 1. Oktober einen Antrag auf Zulassung außerhalb der Kapazität gestellt und danach beim Verwaltungsgericht eine einstweilige Anordnung beantragt haben. Dafür ist die Frist noch nicht verstrichen, aber Eile ist angesagt: Sobald das Verwaltungsgericht für ein Studienfach eine Entscheidung getroffen hat, ist es zu spät. Nur wer bis dahin seinen Antrag eingereicht hat, wird berücksichtigt.

Wer seinen Ablehnungsbescheid wegen des Andrangs erst später erhalten hat, hat Pech?

Da sehen die Chancen schlechter aus, man kann es aber probieren. Vor allem, wenn es sich offensichtlich um einen Fehler der Uni handelt. Die Studienbewerber können gegen den eigentlichen Bescheid vorgehen. Im Einzelfall kann geprüft werden, ob noch andere Rechtsmittel möglich sind.

Wie lange dauert denn der Kampf um einen Studienplatz?

Wenn es zu einem Klageverfahren kommt, dann kann das schon mal zwei bis drei Jahre dauern. Damit der Student in dieser Zeit trotzdem schon „vorläufig“ studieren kann, stellt er einen Antrag auf einstweilige Anordnung. Das Gericht nimmt dafür eine „Grobprüfung“ der Kapazitätsberechnungen der Uni vor. Wenn es zu dem Schluss kommt, dass eigentlich mehr Plätze zur Verfügung stehen müssten, wird der Bewerber vorläufig – und meist auch endgültig – zugelassen.

Es kommt nicht immer zu einem Verfahren?

In vielen Fällen einigt sich die Universität mit dem Studienbewerber: Er wird endgültig zugelassen und nimmt die Klage zurück. Jeder trägt dann die ihm bisher entstandenen Kosten. Mit Anwalt sind das rund 600 Euro. Derzeit bemüht sich besonders die Humboldt-Universität mit Vergleichsangeboten um eine gütliche Einigung.

Kann man auch ohne Anwalt klagen?

Ja. Nötig wird ein Anwalt erst in der zweiten Instanz. Davor kommt es nicht darauf an, was im einzelnen Verfahren vorgebracht wurde. Wenn das Gericht in einem Fachbereich „versteckte“ Studienplätze feststellt, dann werden alle Antragssteller gleichermaßen berücksichtigt – egal ob mit oder ohne Anwalt. Ich erlebe aber immer wieder, dass viele Studienbewerber zu spät klagen oder vergessen, bestimmte Anträge zu stellen. Die Studienplatzklage ist zwar ein sehr standardisiertes Verfahren – aber mit vielen Tücken. Außerdem gibt es bestimmte Fächer, in denen die Chancen sehr schlecht stehen, da würde ich nicht zur Klage raten.

Welche Fächer sind das zum Beispiel?

In Berlin sieht es bei BWL, Psychologie, Veterinärmedizin oder Architektur sehr schlecht aus. Ich rate zu einem anderen Studienort oder zu einem Fach mit ähnlichem Grundstudium wie Volkswirtschaft statt BWL – dort sind die Chancen besser. Je mehr Verfahren der Bewerber anstrengt, desto größer sind die Chancen, aber desto teurer wird es auch.

Das Gespräch führte Juliane von Mittelstaedt.

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