Gesundheit : Wellness für Weise

Yoga ist mehr als eine Mode – inzwischen zeigen das auch medizinische Studien

Adelheid Müller-Lissner

Madonna tut es. Auch Gwyneth Paltrow und Meg Ryan schwören darauf. Ursula Karven hat sogar ein Buch darüber geschrieben, wie es ihr nach dem Tod ihres kleinen Sohns aus einer tiefen Lebenskrise heraushalf. Die Rede ist vom Yoga.

Das Wort kommt aus dem Sanskrit und meint so viel wie „vereinen, verbinden“. Yoga ist das Streben nach der vollkommenen Einheit zwischen Körper, Seele und Geist. Die Mittel dazu, die im Westen erst seit etwa 100 Jahren Interesse finden, liegen in einem System von Körperpositionen (asanas), in der Kontrolle des Atems (pranayama), in Meditation (dhyanam), aber auch in gesunder Ernährung und Entspannung.

In Europa und den USA erfreut sich vor allem das etwas sportlichere Hatha-Yoga wachsender Beliebtheit. Der Legende zufolge hat der Hindu-Gott Shiva einst 84 000 Körperhaltungen ausprobiert. 84 von ihnen sind heute als asanas im Yoga gebräuchlich. Inzwischen gibt es bei uns ein Angebot der unterschiedlichsten Schulen und Formen, vom Power Yoga, einem dynamisch-kraftvollen, Aerobic-artigen Work-out, über das Bikram-Yoga, bei dem in saunaähnlich aufgeheizten Räumen geübt wird bis zu meditativeren Formen wie dem Sivananda-Yoga. Die Schauspielerin Ursula Karven schätzt am Yoga vor allem, dass die Übungen Konzentration erzwingen und dadurch von quälenden Gedanken befreien. „Wenn man auf einem Bein balanciert, kann man nicht über die Steuerklärung nachdenken, sonst fällt man um“, so ihr Argument.

Yoga wirkt aber nicht nur auf Seele und Geist, sondern macht auch körperlich beweglicher. „Yoga ist eine Sportart, die nicht allein auf einen Teil des Körpers zielt, Yoga stärkt den ganzen Körper“, sagt Kathleen Fry, Präsidentin der amerikanischen Holistic Medicine Association. Yoga wird deshalb zunehmend von Ärzten entdeckt, denen Krankheits-Vorbeugung und Begleitung chronisch Kranker am Herzen liegen.

Die Ärztin Imogen Dalmann, die das „Berliner Yoga Zentrum“ leitet, legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass Yoga keine „Alternative“ zur schulmedizinischen Behandlung darstellt, sondern eine Ergänzung. Und ihr Kollege Martin Soder betont, dass er als ausgebildeter Mediziner viele alte Erklärungsansätze für die Wirkung des regelmäßigen Übens nicht übernehmen kann.

Wie auch immer: Einige wissenschaftliche Studien untermauern inzwischen, dass Yoga wirkt. Zum Beispiel bei so unterschiedlichen Problemen wie Rückenschmerzen und Schlafstörungen, aber auch bei Herzleiden. In der Fachzeitschrift „Perfusion“ wurde gerade ein Überblick über die Forschung zu Yoga bei Herz-Kreislauf-Leiden veröffentlicht. Yoga-Training hilft demnach den Betroffenen, die Blutfettwerte zu senken, bei Übergewicht abzunehmen und sogar die gefährlichen Angina-pectoris-Anfälle bei Arteriosklerose zu vermindern.

Yoga scheint auch bei Stress wirksam zu sein: Eine Studie im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung bei Daimler-Chrysler ergab, dass Yoga so gut wirkt wie Autogenes Training. Sowohl das etablierte Entspannungsverfahren als auch ein Gruppen-Yoga-Programm brachte einen Zuwachs an Gelassenheit, Wohlbefinden und der Fähigkeit, mit Stress gut umzugehen.

„Yoga ist kein schnelles Gesundheits-Ding, aber es könnte Überraschungen bereit halten für diejenigen, die bereit sind, sich in die Sache hinein zu begeben“, war vor einigen Jahren in der englischen Mediziner-Zeitschrift „Lancet“ zu lesen. Wenn Stress Krankheiten verursachen könne, so wurde dort der Direktor der britischen „Yoga for Health Foundation“, Howard Kent, zitiert, dann sei es doch logisch, dass „Friede und Ruhe ihrerseits zu Gesundheit führen können“.

Yoga verspricht, ein Weg dahin zu sein. Die alte Kunst passt damit gut in moderne Konzepte zur medizinischen Vorbeugung – und nicht zuletzt zur Wellness-Idee, sich einfach ab und an etwas Gutes zu tun.

Berliner Yoga Zentrum im Internet:

www.byz.de

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