Gesundheit : Weltrekord für Schaumschläger

Die Wiesenschaumzikade springt besser als der Floh

Paul Janositz

„Wissenschaft muss auch Spaß machen“, sagt Bernhard Ronacher, Zoologe an der Humboldt-Universität Berlin. Den Insektenspezialisten amüsiert ein Forschungsergebnis seines britischen Kollegen Malcom Burrows. Der Forscher von der Universität Cambridge hat herausgefunden, dass kleine, auf Gräsern herumkrabbelnde Insekten die besten Hochspringer sind. „Wiesenschaumzikaden“ heißen die Weltrekordler, die den Floh vom Siegerpodest gestoßen haben.

Wie Burrows jetzt im Fachmagazin „Nature" (Band 424, S. 509) berichtet, können die etwa sechs Millimeter großen und zwölf Milligramm schweren Insekten – von der Art „Philaenus spumarius“ – bis zu 70 Zentimeter hoch springen. Die eingesetzte Kraft entspricht dabei dem 414-fachen des Gewichts. Der Floh kommt auf das 135-fache Verhältnis, die Heuschrecke nur auf das 8-fache. Und der Mensch würde sich mit Sicherheit nicht mal für den Endkampf qualifizieren. Selbst der tüchtigste Hochspringer, der Kubaner Javier Sotomayor, schafft mit 2,45 Metern nur das zwei- bis dreifache Verhältnis zwischen Sprungkraft und Gewicht.

Die rekordträchtige Leistung verdankt die Wiesenschaumzikade nicht nur der enormen Sprungmuskulatur ihrer leichten und kurzen Hinterbeine. Die für den Sprung erzeugte Kraft muss auch schlagartig freigesetzt werden. Dazu heben die Insekten vor dem Loshüpfen den Vorderkörper mit den vorderen und mittleren Beinen an. Die Hinterbeine werden unterm Körper zusammengefaltet und in weniger als einer tausendstel Sekunde gleichzeitig ausgestreckt. Dies erzeugt einen enormen Schub.

Diese Technik können nur kleine, leichte Insekten perfektionieren. Bei Säugetieren reicht die Muskelmasse nicht aus, um so viel Energie in so kurzer Zeit zu erzeugen. Doch vielleicht können die Feinheiten der Natur dereinst für technische Innovationen genutzt werden, meint Ronacher. Bionik heißt die Forschungsrichtung, bei der sich der Mensch schon manches von der Natur abgeschaut hat.

Dies betrifft nicht unbedingt den Ärger, den die Schaumzikade im Garten, beispielsweise Rosenliebhabern, bereitet. Die Schädlinge durchlöchern Pflanzentriebe oder Blätter, um an den Saft zu gelangen. Die befallenen Partien können verkümmern. Da ihre Larven in speichelartigen Schaumhäufchen sitzen, wird die Zikade im Volksmund auch als Hexenspucke oder Kuckucksspeichel bezeichnet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben