Gesundheit : Wenig Änderungen bei den Lehrern

Uwe Schlicht

Anfang der 80er Jahre wurden die Pädagogischen Hochschulen aufgelöst und in die Universitäten überführt. Nur Baden-Württemberg machte eine Ausnahme. Seitdem ist die Lehrerbildung das ungeliebte Kind der Universitäten. Anerkennung können Didaktiker, die sich um eine Verbesserung des Unterrichts kümmern, im Kreis der erlauchten Universitätsprofesoren kaum finden. Wenn es um die Einsparung von Stellen und Studienplätzen geht, denken viele Unis sofort an die Lehrerbildung.

Politiker und die Öffentlichkeit sind schnell bei der Hand, wenn es gilt, die Lehrer für diverse Probleme verantwortlich zu machen. Kommen rechtsradikale Tendenzen in der Gesellschaft auf, ertönt der Ruf, die Schule habe versagt. Erliegen Kinder dem Überangebot von Fernsehen und Videos, dann werden die Lehrer zu Hilfe gerufen. Der Reformbedarf gerade in der Lehrerbildung ist besonders groß. Zu deutlich sind die Unterschiede, die zwischen dem jeweiligen Fachstudium in Deutsch, Englisch, Mathematik oder Physik und dem künftigen Lehrerberuf klaffen. Der Praxisschock des Junglehrers ist Legende. Daher fordert die Kultusministerin Annette Schavan aus Baden-Württemberg eine Umkehr: Die Lehrerbildung in Deutschland müsse weltweit mit die beste werden.

Wer erwartet hätte, dass vor diesem Hintergrund die Kultusministerkonferenz der Länder einen mutigen Schritt für eine große Reform der Lehrerbildung unternimmt, sieht sich getäuscht. Den heute in Husum tagenden Kultusministern liegt der Abschlussbericht einer Fachkommission vor, und nach den Empfehlungen dieser Kommission ist nichts Revolutionäres zu erwarten. Es geht den Fachleuten eher um eine Verbesserung im herkömmlichen Rahmen. Das beginnt mit dem Bekenntnis zur Zweiphasigkeit der Lehrerbildung: also der Einteilung in ein Fachstudium, verbunden mit psychologischen, philosophischen und sozialwissenschaftlichen Grundlagen und einer anschließenden Praxisphase als Referendar.

Keine Verlagerung an Fachhochschulen

Die Fachkommission möchte an dieser Zweiphasigkeit festhalten und empfiehlt den Kultusministern, alle Alterntiven zu verwerfen. Im Gespräch waren in der letzten Zeit eine Verlagerung der Lehrerbildung an die Fachhochschulen, eine Einphasigkeit der Lehrerbildung oder eine Unterteilung des Lehrerstudiums in eine allgemeine Bachelor-Ausbildung und eine anschließende spezielle Lehrerbildung, die mit dem Master abschließt. Die Kommission sagt nur: Von solchen Alternativen seien keine Verbesserungen zu erwarten. Statt eines grundsätzlichen Systemwechsels soll es eine Weiterentwicklung auf der bisherigen Basis geben.

Die Fachkommission spricht sich eindeutig dafür aus, das die Universitäten nach wie vor der Ort der Lehrerausbildung sein sollen. Aber die Universitäten "müssen sich der vielfach marginalisierten Lehrerausbildung ernsthaft und verantwortungsbewusst annehmen." Lehrerbildung dürfe für die "Universitäten keine sekundäre Serviceleistung mehr sein".

Die Studienseminare, die bisher die Betreuung der Referendare in der zweiten Phase der Lehrerbildung organisieren, sind von einem Lehr- und Lernbetrieb eher zu einer Studienstätte zu entwickeln. Die künftigen Seminarleiter sollen nicht mehr wie bisher nur wegen ihrer herausgehobenen Position bestellt werden, sondern vorher eine Qualifizierung durchlaufen. Auf der Basis dieser Qualifizierung müsse dann eine Bestenauslese erfolgen.

Die Kommission weist darauf hin, dass die entscheidende Phase für die künftige Bewährung der Lehrer die ersten Berufsjahre nach dem Referendariat sind. In dieser Phase würden die angehenden Lehrkräfte "jedoch allein gelassen". Ihr Einsatz erfolge primär nach den Notwendigkeiten der jeweiligen Schule, nicht aber mit dem Ziel, den jungen Lehrern eine sinnvolle Folge von Lehrgelegenheiten zu bieten mit schrittweise steigenden Anforderungen. Die Organisation einer neuen Berufseingangsphase soll hier Abhilfe schaffen .

Das bisherige Studienmodell, bei dem Fächer, Didaktik, Erziehungswissenschaften und schulpraktische Elemente parallel studiert werden, soll beibehalten werden. Aber Zentren für Lehrerbildung und Schulforschung sollen zur Aufwertung beitragen. Da überhaupt zu wenig detailliertes Wissen über die tatsächliche Wirkung der Lehrerbildung vorhanden ist, empfiehlt die Kommission eine Evaluation, um auf dieser Grundlage zu einem Vergleich zwischen den Ländern zu kommen.

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