Gesundheit : Weniger Bienen an Gen-Raps

Mit technisch veränderten Pflanzen wird Unkraut effektiv bekämpft – Insekten können betroffen sein

Thomas Deichmann

Der Anbau von genverändertem Winterraps kann sich zeitweise nachteilig auf die Populationen von Bienen und Schmetterlingen auswirken. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie. Wenngleich „systematische Effekte“ auf die Biodiversität verneint wurden, zählten die Wissenschaftler in GV-Winterrapskulturen während bestimmter Reifezeiten weniger Bienen und Schmetterlinge. Die Forscher führen das auf die effektive Bekämpfung großblättriger Unkräuter zurück, von denen sich diese Insekten ernähren. Dies könne sodann auch einen Einfluss auf das Futterverhalten von Vögeln haben, folgerten die Forscher. Das britische Wissenschaftlerteam in Großbritannien hat damit die letzten Ergebnisse eines dreijährigen Forschungsprogramms zur Grünen Gentechnik vorgelegt. In dessen Rahmen waren seit 2001 die Auswirkungen gentechnisch veränderter (GV-) Pflanzen auf die Artenvielfalt auf dem Acker untersucht worden.

Unkräuter konkurrieren mit den Nutzpflanzen um Wasser und Nährstoffe im Boden und werden deshalb bekämpft. Werden sie zurückgedrängt, können sich die Lebensräume für Insekten und in der Nahrungskette über ihnen stehende Tiere verschieben. Ob die Unkrautbekämpfung mit konventionellen Methoden oder mit Unterstützung der Biotechnologie geschieht, ist zwar von nachrangiger Bedeutung für die Artenvielfalt. Doch der Trend kann durch den Anbau von GV-Winterraps mitunter verstärkt werden. Pflanzenübergreifend verwarfen die Forscher die „Null-Hypothese“, nach der sich die Kultivierung herbizidtoleranter Pflanzen hinsichtlich des Unkrautaufkommens nicht von herkömmlichen Anbaumethoden unterscheidet.

Für diese größte bisher in Europa durchgeführte Studie waren drei Nutzpflanzenarten mit gentechnisch erzeugter Herbizidtoleranz kultiviert worden: Winter- und Frühlingsraps, Futtermais sowie Futterrüben. Im Wesentlichen unterschieden sich die aktuellen Daten nicht von denen bei GV-Mais, -Rüben und -Frühlingsraps. Die GV-Pflanzen waren unempfindlich gegen bestimmte Herbizide. Diese Technologie bewirkt eine wirkungsvollere Unkrautbekämpfung, weil das Herbizid auch nach dem Aufkeimen der Pflanzen aufgebracht werden kann.

Während Kritiker der Grünen Gentechnik sich von der Studie bestätigt sehen, wies eine Mitarbeiterin von Bayer Crop Science, das die GV-Winterraps vermarktet, daraufhin, dass die größten Differenzen bei den Insektenpopulationen im Juli festgestellt wurden. Dann gebe es ohnehin nicht viele Bienen und Schmetterlinge auf den Feldern. Und ein Sprecher der am Erprobungsanbau beteiligten „Supply Chain Initiative on Modified Agricultural Crops“ (SCIMAC) betonte die möglichen Vorteile der Technologie wie „höhere Ernteerträge, weniger Umpflügen und eine flexiblere Unkrautkontrolle“. Diese könnten auch positive ökologische Wirkungen mit sich bringen. Bei einer im Frühjahr 2003 durchgeführten Umfrage unter den beteiligten Landwirten signalisierten 95 Prozent der Befragten ihre Bereitschaft, GV-Pflanzen zu kultivieren, wenn sie für den kommerziellen Anbau zugelassen würden. Als wichtigsten Vorteil nannten sie Einsparungen bei Pflanzenschutzmitteln.

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