Gesundheit : Weniger Praxis: das neue Studium

-

Seit dem Wintersemester 2004/05 absolvieren angehende Lehrer in Berlin ein sechsemestriges Bachelorstudium . Studienräte satteln ein viersemestriges Masterstudium auf („großer Master“), die übrigen Lehrer ein zweisemestriges („kleiner Master“). Damit wird die bisherige Regelstudienzeit für Grundschullehrer von sieben Semestern auf acht erhöht, die der Studienräte von neun auf zehn. Lehrer mit zwei Fächern, die in den Klassen eins bis zehn aller Schultypen eingesetzt werden, sowie Sonderpädagogen studieren aber in Zukunft ein Semester weniger – als seien die Anforderungen an sie niedriger, wie nicht nur die GEW kritisiert.

Auch wird befürchtet, Berliner Sonderpädagogen könnten es wegen des kürzeren Studiums schwer haben, in anderen Bundesländern zu unterrichten. Diese Sorge weist die Schulverwaltung zurück. Die Kultusministerkonferenz (KMK) habe die Anerkennung geregelt. Und zusätzliche Leistungsnachweise würden manche Länder schon jetzt von Lehrern aus anderen Bundesländern verlangen.

Ein Drittel der neuen Ausbildung der Studienräte entfällt in Zukunft auf die Berufswissenschaften wie Erziehungswissenschaft und Didaktik. Bei den übrigen Lehrämtern sollte der Anteil der Berufswissenschaften am Studium ursprünglich ebenfalls ein Drittel betragen. Doch weil das Studium für diese Lehrer um ein Jahr kürzer als das der Studienräte ist (240 statt 300 Leistungspunkte), wären das nur 80 Leistungspunkte gewesen. Ab 2007 wird um 20 Punkte nachgebessert: Denn aus Sicht der Schulverwaltung hätten die Standards, die die KMK erst im Dezember 2004 vorlegte, sonst nicht erreicht werden können. Im Bachelorstudium sollen dann alle Studierenden – bis auf die Studienräte – noch ein zweites Praktikum machen. Außerdem wird der „kleine Master“ nun ausschließlich Berufswissenschaften enthalten.

Für angehende Studienräte verringert sich die Zahl der Praktika von drei im alten auf zwei im neuen Studium. Denn die beiden Unterrichtspraktika sollen zu einem sechs- bis achtwöchigen Praktikum zusammengelegt werden. Damit entfiele aber die Chance, aus dem zweiten Praktikum etwas für das dritte zu lernen, kritisiert Michael Martin von der GEW. Außerdem würde das zweite Praktikum überfrachtet, die Studierenden müssten gleich in zwei Fächern Stunden geben.

Fähigkeiten zum Unterricht mit Migrantenschülern sollen während des gesamten Studiums erworben werden, versichert Senator Böger. Außerdem wird ein einsemestriger Kurs in „Deutsch als Zweitsprache“ für alle Lehrerstudierenden Pflicht.

Das Referendariat wird auf ein Jahr halbiert – nur noch nicht bei den Studienräten. Bildungssenator Böger wünscht sich auch hier eine Verkürzung, dazu müssten jedoch Bundesregeln geändert werden. Die Unterrichtsverpflichtung für die Referendare soll von vier bis zehn Stunden auf 16 steigen. Wurden die Referendare dabei bislang von erfahrenen Lehrern betreut, sollen sie nun selbstständig unterrichten – augenscheinlich ein Sparprogramm. „Unverantwortlich“, nennt der Schulpädagoge Ramseger das.

Umstritten ist auch der neue Lernassistent , der Bachelors offen stehen soll. Er soll Lehrern im Förderbereich oder bei der Organisation helfen. Die GEW sieht darin einen „Billiglehrer“. Damit die Bachelor fit für die Schule sind, plant Böger für Lernassistenten ein einjähriges Traineeprogramm in der Schule. akü

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben